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anerkannten Jugendwerke Lorenzo’s, der thronenden Madonna im Dome zu Pistoja, hat uns vor kurzem überzeugt, dass auch unser Bild in der That ein echtes Werk Lor. di Credi’s ist. Dieselben Züge der Jungfrau, dieselbe Modellirung des Christkindes, dieselbe malerische Behandlung! dasselbe rötliche Haar, dieselben Flechten, dasselbe, ebenso geschmückte rote Untermieder unter graublauem Kleide! Dass beide Bilder von derselben Hand sind, erkennt auch Habich (Vademecum p. 55) an, schreibt sie aber nur einem Nachahmer Lorenzo di Credi’s zu. Schon Cr. u. Cav. (III. S. 151) und O. Eisenmann (Kunstchronik XVI, S. 649) waren übrigens geneigt, das Bild als Werk Lor. di Credi’s gelten zu lassen. – Phot. Braun VIII, 2 und Phot. Ges.

Heilige Familie. 14. (44.) 1 c.

Vor dunkler Renaissancehalle, durch deren Bogen man links und rechts in eine reiche Landschaft hinausblickt, kniet die Jungfrau und betet ihr Kind an, welches links vorn an eine Korngarbe gelehnt liegt und den Stieglitz beobachtet, der hier von den Körnern pickt. Joseph sitzt rechts im Mittelgrunde der Landschaft.

Ital. Pappelholz; h. 0,87½; br. 0,65. – 1874 aus der Sammlung Barker, London. – Gutes Bild vom Ende der mittleren Zeit des Meisters. – Phot. Braun IV, 2 und Phot. Ges.

Maria zwischen Heiligen. 15. (45.) 1 b.

Sie thront vor dem mittleren, mit grün-rotem Vorhange verhängten Bogen einer dreibogigen Renaissancehalle. Das nackte Christkind auf ihrem Schoosse wendet sich lebhaft nach links, wo der hl. Sebastian in der Kleidung der Zeit des Meisters seinen Pfeil in der Linken erhebt. Rechts der Evangelist Johannes. Vorn unten ein Blumentopf. Die Landschaft hinter den Bogen nur spärlich angedeutet.

Ital. Pappelholz; h. 0,75; br. 1,76½. – 1874 aus der Sammlung Barker, London. – Etwas hartes und kaltes Bild der späteren Zeit des Meisters. – Phot. Braun II, 3.

Schule Domenico Ghirlandajo’s.

Dom. di Tommaso Bigordi, gen. Ghirlandajo, geb. zu Florenz 1449, gest. daselbst den 11. Jan. 1494, war ein Schüler Alesso Baldovinetti’s , weitergebildet durch das Studium der besten übrigen florentinischen Meister des XV. Jahrhunderts, dessen Schlussstein er als Lehrer Michelangelo’s bildet. Thätig hauptsächlich in Florenz, doch auch in Rom und S. Gimignano.

Die Geburt Christi. 16. (38.) 32 c.

Links ruht der kleine Heiland, welcher den linken Zeigefinger an den Mund legt, zwischen den Knieen Joseph’s. Rechts vor dem Stalle kniet Maria, anbetend ihrem Kinde zugewandt. Ueber der Berglandschaft links der Stern.

Ital. Pappelholz; annähernd rund; h. 0,77; br. 0,74½. – 1857 aus Steinla’s Sammlung. – Schon bei H. nur als Schulbild bezeichnet. Cr. u. Cav. (III, S. 255)

Empfohlene Zitierweise:
Karl Woermann: Katalog der Königlichen Gemäldegalerie zu Dresden (1887). Generaldirection der Königlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft, Dresden 1887, Seite 32. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Karl_Woermann_Katalog_der_Gem%C3%A4ldegalerie_Dresden_1887.pdf/64&oldid=- (Version vom 1.8.2018)