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Unbestimmte Meister. Mitte des XVI. Jahrhunderts.

Weibliches Bildniss. 1903. (1895.) P 3.

Brustbild nach links auf grünem Grunde. Die blonde, braunäugige Dame ist schwarz gekleidet, trägt eine goldene Kette viermal um den Hals geschlungen und eine mit blanken Knöpfen besetzte, einem Männerbarett ähnliche Kopfbedeckung.

Leinwand; h. 0,53½; br. 0,43½. – Durch Baron von Gotter vor 1736 aus Wien oder Regensburg. Noch im Catalogue von 1765 als Original von Holbein, woran nicht zu denken ist. Bei H. als „unbekannt“ in der deutschen Schule. Viel mehr lässt sich in der That nicht über das Bild sagen.

Männliches Bildniss. 1904. (1897.) O 2.

Brustbild nach links auf grünem Grunde. Rotbrauner Vollbart. Schwarzer Rock und schwarze Kappe.

Lindenholz; h. 0,23½; br. 0,18½. – Im Inventar 1722 bis 1728, B 453. Kam nach einer (erneuerten) Inschrift auf der Rückseite 1700 zur Kunstkammer. 1810 ging es auf rätselhafte Weise verloren; 1862 wurde es hinter der Täfelung im Brühl’schen Palais auf der Augustusstrasse wieder aufgefunden.


C. Unbestimmte oberdeutsche Meister.

Oberdeutscher (?) Meister um 1500.

Männliches Bildniss. 1905. (1902.) 21 a.

Brustbild gerade von vorn auf hellblauem Himmelsgrunde. Der alte Herr in grauem Haar trägt einen schlichten, am Hals mit schmaler Pelzrüsche versehenen, dunkel graugrünen Rock mit schwarzen Unterärmeln und hält seine schwarze Mütze in der rechten Hand.

Lindenholz; h. 0,61½; br. 0,44½. – Das Bild kann, da die Maasse nicht stimmen, nicht, wie bei H., mit Inv. 1722, A 99, identificirt werden. Ebensowenig liegt Grund vor, es dem Züricher Maler H. Asper (1499–1571) zuzuschreiben. – Scheibler (Dr. Not.) ist der Ansicht, dieses ausgezeichnete Bildniss müsse , wenn es nicht von Jan van Eyck selbst sei, doch auf ihn zurückgehen, sei also mindestens eine Copie nach diesem Meister. Jedenfalls scheint es uns seiner Malweise nach auf eine spätere Zeit, als diejenige van Eyck’s, für den es auch nicht gut genug ist, hinzudeuten; und wenn es eine Copie nach van Eyck ist, so wird diese, da das Bild auf Lindenholz gemalt ist, doch in Oberdeutschland angefertigt sein. Wir lassen ihm, ohne seine Beeinflussung durch die Richtung van Eyck’s zu verkennen, daher bis auf Weiteres seinen bisherigen Platz.

Empfohlene Zitierweise:
Karl Woermann: Katalog der Königlichen Gemäldegalerie zu Dresden (1887). Generaldirection der Königlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft, Dresden 1887, Seite 603. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Karl_Woermann_Katalog_der_Gem%C3%A4ldegalerie_Dresden_1887.pdf/635&oldid=- (Version vom 1.8.2018)