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Eichenholz; h. 0,45½; br. 0,31½. – Wahrscheinlich 1743 durch Le Leu aus Paris. – Charakteristisches Bild der Antwerpener Spätzeit des Meisters. – Ueber die dargestellte Persönlichkeit, in welcher man 1812 Zwingli, 1817 Lucas v. Leyden, seit H. einen gewissen Bernh. van Ressen oder B. van Breslau zu erkennen glaubte, haben erst die neueren Untersuchungen völlige Klarheit gebracht. Dass B. v. Orley, der Maler unseres Bildes N. 810, dargestellt sei, hat zuerst Ch. Ephrussi (A. Dürer et ses Dessins, Paris 1882, p. 275–278) erkannt. Ueber die späteren Erörterungen der Frage vergl. man die Artikel des Verfassers dieses Kataloges im Repertorium VII (1884) S. 445–449 und VIII (1885) S. 436–488. – Phot. Braun I, 20 u. Phot. Ges.

Nach A. Dürer.

Die Kreuztragung Christi. 1872. (1858.) P 3.

Grau in grau mit leichten Farbenandeutungen. Rechts das Stadtthor zu dem der Zug herauskommt, links in der Ferne der Berg, dem er entgegenzieht. Links vorn ein Reiter mit mächtigem Adlerbanner. Rechts wendet der zusammengesunkene Heiland sich nach der heiligen Veronica um, die ihm das Schweisstuch hinhält. Vorn in der Mitte die Inschrift: TANQVAM QVIS AD OCCISIONEM DVCTVS EST ET AGNVS CORAM TONDENTE SE MVTVS SIC NON APERVIT OS SVVM. IN HVMILITATE IPSIVS IVDICIVM EIVS SVBLATVM EST. GENERATIONEM AVTEM EIVS QVIS ENARRABIT. IESAIAS LIII. Dazu das Monogramm AD und die Jahreszahl MDXXVII.

Leinwand auf Lindenholz; h. 0,30; br. 0,45½. – 1727 durch Le Plat. Galt damals nicht als Dürer, sondern ward (wohl durch Versehen aus „Portement de la croix“ entstanden) als Werk eines „Portomene“ bezeichnet, den es nicht giebt. In den gedruckten Katalogen, auch noch bei H., stets als Original Dürer’s. Die deutsche Wissenschaft hat dies jedoch, seit Eye (Leben und Wirken Dürer’s, 1869, 2. Auflage, S. 458) erhebliche Zweifel an der Echtheit ausgesprochen, nie mehr anerkannt. Die neueren Dürer-Handbücher übergehen es sogar mit Stillschweigen. In der That ist es, so interessant es componirt ist, in der Durchführung viel zu roh, um als ein eigenhändiges Werk des Meisters überhaupt und gar aus dessen letzten Lebensjahre, auf welches die Jahreszahl hinweist, gelten zu können. Doch scheint eine Handzeichnung Dürer’s zu Grunde zu liegen. – Phot. Braun XI, 7 und Phot. Ges.

St. Hubertus. 1873. (1861.) O 3.

Berg- und Waldlandschaft. Vorn rechts das gesattelte Ross des heiligen Jägers. Zu seinen Füssen vier Hunde. Der abgestiegene Heilige kniet links, anbetend dem Hirsche mit dem Crucifixe im Geweihe zugewandt, der rechts im Walde erscheint.

Eichenholz; h. 1,05; br. 0,78. – 1861 von Prof. Th. v. Oer gekauft. – Das Bild ist eine Copie, vielleicht von niederländischer Hand, nach Dürer’s bekanntem Stiche Bartsch 57.

Empfohlene Zitierweise:
Karl Woermann: Katalog der Königlichen Gemäldegalerie zu Dresden (1887). Generaldirection der Königlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft, Dresden 1887, Seite 592. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Karl_Woermann_Katalog_der_Gem%C3%A4ldegalerie_Dresden_1887.pdf/624&oldid=- (Version vom 1.8.2018)