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Der Heilige mit grauem Haar und grauem Bart trägt einen blauen Mantel und stützt seine Hände auf das Buch, welches aufgeschlagen vor ihm steht. Die Glocke liegt rechts. Ueber seinem Haupte treiben Teufelsfratzen ihr Spiel, die jedoch bereits von Engeln in die Flucht geschlagen werden. – III. Der rechte Flügel. Der heilige Sebastian. Halbfigur nach rechts. Der nackte Oberkörper des jungen Heiligen ist lose von rotem Mantel umwallt. Vor ihm steht ein Glas mit einer Feldblume. Von den Englein, die über ihm ihr Spiel treiben, hält einer seine Pfeile.

Leinwand; Mittelbild: br. 1,05½; h. 0.95; Flügel h. 1,13; br. 0,43½. Temperafarben. – 1687 aus der Schlosskirche zu Wittenberg in die Kunstkammer. 1835 aus dem „Vorrat“ zur Galerie. Dass das Bild ein Original Dürer’s sei, wurde lange verkannt. Selbst H. hielt nur die Flügel, nicht das Mittelbild, für eigenhändig. Doch ist die neuere Forschung sich einig darin, die Eigenhändigkeit unseres Bildes anzuerkennen. Es muss als das frühste grosse Gemälde gelten, welches Dürer nach der Heimkehr von seinen ersten Wanderjahren, noch unter dem Einflusse der Richtung Mantegna’s, ausgeführt hat und ist unzweifelhaft eins jener Gemälde des Meisters, welche Chr. Scheurl bereits 1506 in der Allerheiligenkirche zu Wittenberg sah. Vergl. Thausing, Dürer. 2. Auflage 1884, I. S. 169. – Immerhin können die Flügelbilder etwas jünger sein, als das Mittelbild. – Phot. Braun V, 21 und VII, 20.

Christus am Kreuze. 1870. (1857.) N 1.

Der Heiland, um dessen Lenden ein weisses Tuch flattert, wendet das domengekrönte Haupt schmerzlich gen Himmel. Hinter ihm hängen schwarze Wolken; doch am Horizonte über der tiefblauen Landschaft leuchtet ein morgengelber Lichtstreifen. Rechts vorn feine grüne Baumwipfel. Ueber dem Haupte des Heilands die Buchstaben I N R I .

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Zu seinen Füssen, vom Kreuzstamme in zwei Hälften geteilt, seine Scheideworte: PATER . I . MANVS . TVAS . COMENDO . SPIRITV. MEV . Bez. u. i. d. M.:

Lindenholz; h. 0,20; br. 0,16. – 1865 in Wien aus dem Nachlasse des k. k. Münzgraveurs Böhm. – Die Jahreszahl könnte auch 1500 gelesen werden, wie H. sie las. Dass sie aber 1506 gelesen werden muss, beweist der Stil des ausserordentlich feinen Bildchens, welcher es der Zeit des zweiten venezianischen Aufenthaltes Dürer’s und seiner Beeinflussung durch Giovanni Bellini zuweist. So auch Thausing, Dürer, 2. Auflage 1884, S. 363–365. – Gestochen von Th. Langer ☼ III, 47. – Phot. Braun IV, 20 und Phot. Ges.

Bildniss Bernhard van Orley’s. 1871. (1859.) 21 c.

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Brustbild nach links auf rotem Grunde. Der blonde, helläugige Meister trägt einen schwarzen Hut und einen schwarzen Pelzrock. In der linken Hand hält er einen Brief mit der Aufschrift: Dem pernh . . zw . . . , d. h. Dem Bernhard zu . . . . Bezeichnet oben in der Mitte:

Empfohlene Zitierweise:
Karl Woermann: Katalog der Königlichen Gemäldegalerie zu Dresden (1887). Generaldirection der Königlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft, Dresden 1887, Seite 591. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Karl_Woermann_Katalog_der_Gem%C3%A4ldegalerie_Dresden_1887.pdf/623&oldid=- (Version vom 1.8.2018)