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schon, nachdem er zwei Monate segenverheissend, wenn auch nicht eben auf neue Bildererwerbungen bedacht, regiert hatte. Die darauf folgende lange Regierung Friedrich August des Gerechten, für den nur während der ersten vier Jahre sein Oheim Franz Xaver die Regentschaft führte, leitet auch die Geschichte der Dresdener Galerie bereits in’s neunzehnte Jahrhundert hinüber. Der höchste Chef ihrer Verwaltung während des grössten Teils dieser Zeit war der Cabinetsminister Graf Marcolini (gest. 1814), ihr thatsächlicher Leiter immer noch der Inspector Joh. Ant. Riedel, dem gleich 1764, nachdem Benedict Kern wegen Unfähigkeit entlassen worden war, auch die Restaurationsarbeiten allein übertragen wurden. Zur Katalogisirung der Gemälde aber wurde ihm, ebenfalls gleich 1764, der Inspector des Kupferstich-Cabinets Chr. Fr. Wenzel beigeordnet; und beide gemeinsam veröffentlichten 1765 den „Catalogue des tableaux de la galerie électorale de Dresde“, der in seiner Art vortrefflich war und lange maassgebend blieb. Auf der Grundlage dieses Kataloges (für die Bilderbeschreibungen), des Textes des Heinecken’schen Galerie-Werkes (für kunstkritische und die Herkunft der Bilder betreffende Anmerkungen) und der allgemeinen kunsthistorischen Schriften von V. Hagedorn, de Piles und D’Argensville (für den biographischen Teil) stellte dann, zum Teil wörtlich, aber geschickt compilirend, der Dresdener Generalstabssecretär Joh. Aug. Lehninger das 1782 erschienene „Abrégé de la vie des peintres dont les tableaux composent la galerie de Dresde etc.“ zusammen, ein Werk, welches als das erste „wissenschaftliche“ Verzeichniss der Dresdener Galerie gefeiert zu werden pflegte, bis Jul. Hübner[1] die mechanische Art seiner Entstehung nachwies. Trotzdem war es für seine Zeit ein sehr brauchbares Werk.

Bereichert wurde der Gemäldeschatz des sächsischen Fürstenhauses während des letzten Drittels des 18. Jahrhunderts kaum noch. Nur gelegentlich wurde einmal ein Bild erworben. Doch wurden im Jahre 1778 nicht weniger als 87 Gemälde aus dem Nachlasse des Oberrechnungsinspectors Spahn als Ersatz veruntreuter öffentlicher Gelder für 5342 Thaler 4 Groschen


  1. In v. Zahn’s Jahrbüchern für Kunstwissenschaft VI, 1873. S. 131–135.
Empfohlene Zitierweise:
Karl Woermann: Katalog der Königlichen Gemäldegalerie zu Dresden (1887). Generaldirection der Königlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft, Dresden 1887, Seite 17. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Karl_Woermann_Katalog_der_Gem%C3%A4ldegalerie_Dresden_1887.pdf/49&oldid=- (Version vom 1.8.2018)