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waren, sind so genau, wie der Stand der kunstgeschichtlichen Forschung des vorigen Jahrhunderts es zuliess. Es verdiente daher immerhin eine eingehendere Berücksichtigung, als ihm bisher zu teil geworden war.

Neben diesen Inventarisirungen aber unternahm kein geringerer als C. H. von Heinecken selbst, dem die Oberaufsicht über die Galerie und das Kupferstich-Cabinet eingeräumt worden war, die Herausgabe des ersten eigentlichen grossen Galeriewerkes in Kupferstichen, welche von den berühmtesten Stechern der Zeit herrühren; die meisten wurden von auswärtigen Meistern nach den Zeichnungen gestochen, welche der Hofmaler Charles Hutin (geb. zu Paris 1715, nach Dresden berufen 1748, gest. daselbst 1776) zu dem Zwecke vor den Gemälden angefertigt hatte. Der erste Band dieses umfangreichen Werkes (Recueil d’Estampes d’apres les plus celebres tableaux de la Galerie Royale de Dresde) erschien schon 1753; der zweite folgte 1757; der dritte erst in unseren Tagen. Heinecken’s Text zu den beiden ersten Bänden ist sehr wertvoll; auch er giebt über die Herkunft mancher Bilder den alleinigen und sicher einen stets zuverlässigen Aufschluss.

Während der bangen Jahre des Siebenjährigen Krieges war man, statt an die Vermehrung der Galerie zu denken, natürlich froh, wenn man die vorhandenen Gemälde erhielt und rettete. Im Jahre 1759 wurden sie in Kisten verpackt und auf den Königstein gebracht. Joh. Anton Riedel’s Tagebuch, welches sich im Archiv der Generaldirection erhalten hat, giebt interessante Einzelheiten über diese Flüchtung der Bilder und über die Schicksale der Galerie während des Bombardements von Dresden im Jahre 1760.

Dass König August III. und sein Ratgeber Graf Brühl sofort nach Beendigung des Krieges Miene machten, die Bilderankäufe in der alten Weise wieder aufzunehmen, haben wir bereits gesehen. Doch war beiden keine lange Wirksamkeit mehr beschieden. Der König starb am 5. October 1763; und Graf Brühl, welcher sofort nach dem Hinscheiden seines Herrn fast alle seine Aemter hatte niederlegen müssen, folgte ihm noch innerhalb desselben Monats in’s Grab. König August des Dritten Nachfolger, Kurfürst Friedrich Christian, starb bekanntlich

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Karl Woermann: Katalog der Königlichen Gemäldegalerie zu Dresden (1887). Generaldirection der Königlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft, Dresden 1887, Seite 16. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Karl_Woermann_Katalog_der_Gem%C3%A4ldegalerie_Dresden_1887.pdf/48&oldid=- (Version vom 1.8.2018)