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Nach Frans Hals d. ä.

Männliches Bildniss. 1360. (1022.) P 10.

Brustbild nach rechts auf gelbgrauem Grunde; der Kopf fast von vorn. Langes blondes Haar. Kleiner Hut; schwarzer Rock, kleiner weisser Klappkragen.

Eichenholz; h. 0,34; br. 0,25. – Inventar 1722, A 191. Damals als eigenhändiges Selbstbildniss des Frans Hals. Nach Bode (Studien, S. 87) nur eine gute Copie eines vom Meister um 1650 gemalten Bildnisses bei Herrn Warneck in Paris (ebenda S. 85), vielleicht von einem der Söhne des Meisters. In der That ist es für ein eigenhändiges Bild des alten Frans Hals zu schwer im Vortrag und im Tone. – Eine andere Wiederholung im Museum zu Haarlem, dort auch nur als „nach“ Frans Hals bezeichnet. – Phot. Braun.

Unbestimmte Schüler Frans Hals des älteren.

Bildniss einer jungen Dame. 1361. (1025.) M 2.

Halbfigur nach links auf gelbgrauem Grunde. Die Dame trägt eine Haube mit Perlenbesatz, unter welcher ihr blondes Lockenhaar auf ihre Schultern herabfällt, ein schwarzes Seidenkleid, einen grossen durchsichtigen Kragen, ebensolche Manschetten, einen Orden auf der Brust, sehr weite Handschuhe und in der linken Hand einen Fächer.

Leinwand; h. 0,76; br. 0,63. – 1875 im Kunsthandel aus Amsterdam. – Am Kleid und an den Händen glaubt man allerdings die Pinselführung des Meisters zu erkennen. Die Modellirung des Kopfes aber ist zu hart und leer für ihn selbst.

Bildniss des Malers Vincent Laurens van der Vinne. 1362. (1023.) L 2.

Halbfigur nach rechts auf graubraunem Grunde. Der junge Mann trägt einen grau-braunen Rock und einen kleinen weissen Klappkragen mit Troddelschnüren. Sein Haar ist glatt und dunkel.

Eichenholz; h. 0,63; br. 0,47½. – 1874 von Dr. A. v. d. Willigen, der es 1859 von der Familie van der Vinne kaufte „qui savaient que Frans Hals l’avait peint en une heure de temps.“ A. v. d. Willigen, Les artistes de Harlem, Ed. 1870, p. 143. – Trotz dieser Ueberlieferung erscheint die Malweise des Bildes, so unmittelbar sie durch Frans Hals beeinflusst ist, zu derb und hart für den grossen Meister selbst. Wäre die Echtheit anerkannt gewesen, so hätte es 1874 auch unzweifelhaft einen höheren Preis als 256 Gulden erzielt. Auch Bode, Studien, S. 84, bezeichnet es nur als Schulwerk. Möglicherweise rührt es von dem Maler V. L. v. d. Vinne (geb. 1629 zu Haarlem, gest. daselbst 1702), einem Schüler des Fr. Hals, selbst her. – Schwarzkunstblatt von C. van Noorde.

Bildniss einer alten Frau. 1363. (1026.) M 2.

Halbfigur ein wenig nach links auf grauem Grunde. Die Alte trägt ein schwarzes Kleid, eine enganliegende weisse Haube und eine enggefältelte Halskrause. Ihre Hände legt sie im Schoosse über einander; in der Rechten hält sie ein weisses Tuch.

Empfohlene Zitierweise:
Karl Woermann: Katalog der Königlichen Gemäldegalerie zu Dresden (1887). Generaldirection der Königlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft, Dresden 1887, Seite 434. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Karl_Woermann_Katalog_der_Gem%C3%A4ldegalerie_Dresden_1887.pdf/466&oldid=- (Version vom 1.8.2018)