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Venus und Adonis. 991. (942.) M 2.

Links entsteigt Venus ihrem von Schwänen gezogenen Wagen. Neben ihr steht Adonis, auf seinen Speer gestützt, im Begriffe nach rechts in den Wald zu enteilen. Die Göttin sucht ihn zu halten, indem sie ihn zärtlich umhalst, und ein kleiner Amor umklammert sein linkes Bein. Ungeduldig aber harren rechts die Hunde des jungen Jägers.

Eichenholz; h. 0,60½; br. 0,83. – Im Inventar Guarienti (vor 1753) N. 421 als „Rubens“ aus der Sammlung des Senators Isolani zu Bologna. – Doch ist es nur eine Copie. So auch bei H. Das Bild ist oft in des Meisters Werkstatt wiederholt worden; ein eigenhändiges Exemplar besitzt die Eremitage zu St. Petersburg; klein, mit einem Hintergrunde von Brueghel im Haager Museum ; eine Wiederholung befand sich in Blenheim, eine andere befindet sich in der Akademie zu Düsseldorf. – Stiche der Composition von P. J. Tassaert und J. Finney. V.-Schn. p. 125 N. 56 – 57.

Der Raub der Proserpina. 992. (943.) P 10.

Der Unterweltsgott besteigt mit Proserpina in den Armen den nach rechts gewandten Wagen, dessen Rosse ein über ihnen schwebender kleiner Liebesgott lenkt. Pallas Athene eilt den Fliehenden nach und sucht den Gott am Oberarm festzuhalten; zwei andere Göttinnen folgen ihr.

Eichenholz; h. 0,50; br. 0,64½. – Inventar 1722, A 378. – Das Original befand sich in Blenheim, wo es verbrannte. Ein lebensgrosses, etwas verändertes Exemplar befindet sich im Museum zu Madrid. – Gest. von P. Soutman. V.-Schn. p. 126 N. 66.

Der kleine Erichthonius bei den Töchtern des Kekrops. 993. (957.) Q 3.

Erichthonius, ein Sohn des Hephaistos, war einer der ältesten Schutzgenien Athens. Preller (Griech. Mythologie 1875, I S. 103) sagt: „Athene vertraute das schlangenartig gebildete Kind anfangs den drei Töchtern des Kekrops, Aglauros, Herse und Pandrosos, in einer Lade versteckt, mit dem Verbote darnach zu sehen. Doch brachen die Mädchen aus Neugierde das Gebot.“ In der Mitte des Bildes liegt das schlangenbeinige Knäbchen im Korbe, dessen Deckel das rechts vorn knieende Mädchen im gelben Kleide aufhebt. Die anderen beiden Mädchen und ihre alte Amme blicken neugierig hinein.

Eichenholz; h. 0,41; br. 0,53½. – 1860 durch Vermächtniss des Kunsthändlers Schmidt. – Copie nach dem Bilde des Meisters in der Galerie Liechtenstein zu Wien, gestochen von P. van Sompel, radirt von einem Anonymus. V.-Schn. p. 128 N. 78 u. 79.

Die Anbetung der Hirten. 994. (944.) Q 3.

Links hebt Maria das Tuch vom Kinde. Joseph steht neben ihr. Rechts knieen anbetend ein Hirt und eine Hirtin, und eine der Mägde schüttet Wasser in ein Gefäss. Ganz rechts in der Thür schreiten ein alter Mann und eine alte Frau über die Stufen. Das Licht geht vom Kinde aus und lässt die Gestalten riesige Schatten an die Wand werfen.

Empfohlene Zitierweise:
Karl Woermann: Katalog der Königlichen Gemäldegalerie zu Dresden (1887). Generaldirection der Königlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft, Dresden 1887, Seite 324. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Karl_Woermann_Katalog_der_Gem%C3%A4ldegalerie_Dresden_1887.pdf/356&oldid=- (Version vom 1.8.2018)