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Frau im Hut. An ihren Schooss hat sich ein kleiner Liebesgott geflüchtet, den eine hinter ihm stehende Dame mit dem Fächer zu schlagen versucht. Doch hält seine Schützerin ihr die Hand fest.

Eichenholz; h. 0,93; br. 1,22. – 1742 für 12,000 Livres durch de Brais aus der Sammlung Carignan zu Paris. Die berühmte Darstellung, die in niederländischer Sprache als „Venus’ Lusthof“, in französischer Sprache als „Conversation à la mode“ bekannt ist, existirt in einer Reihe verschiedener Exemplare, die auch in der Composition starke Abweichungen von einander zeigen. Das Original einer im ganzen einfacheren, anders gruppirten Composition dieser Darstellung besitzt die Madrider Galerie, und mit diesem stimmt, von einigen Auslassungen abgesehen, am besten der Stich von Peter Clouwet (V.-Schn. p. 149 N. 110) überein. Das eigentliche Original unserer Dresdener Composition, welche genau von L’Empereur (V.-Schn. p. 150 N. 111) gestochen ist, befand sich beim Duque de Pastrana zu Madrid und ist vor kurzem in den Rothschild’schen Besitz zu Paris übergegangen. Jenes Madrider und dieses Pariser Exemplar sind grösser, als das unsere. Vergleiche Smith. Catalogue II, p. 167. Ueber die Eigenhändigkeit des unseren gehen die Ansichten der englisch-deutschen Forschung einerseits und der französisch-belgischen Forschung andererseits auseinander. Die letztere (Alfred Michiels, Max Rooses, A. J. Wauters etc.) hält unser Bild für ein eigenhändiges Hauptwerk des Meisters; die erstere (John Smith, G. F. Waagen. W. Bode, Alfred Woltmann, denen sich auch Voorhelm-Schneevogt anschliesst) hält das Dresdener Exemplar nur für eine Werkstattswiederholung, im besten Falle (Smith) mit einiger eigenhändiger Beteiligung des Meisters, wahrscheinlich aber nur für eine Schulcopie von fremder Hand. Der glatteren, geleckteren Malweise unseres Bildes gegenüber können auch wir es nicht für ein eigenhändiges Werk des Rubens halten; doch glauben wir daran festhalten zu müssen, dass es eine in Rubens’ eigener Werkstatt entstandene Wiederholung sei. Neuerdings scheint auch Rooses sich dieser Ansicht anzuschliessen. Näheres im Texte zu Braun’s Dresdener Galeriewerk S. 156–159. – Phot. Braun IV. 26 und Phot. Ges.

Das Urteil des Paris. 977. (917.) 20 b.

Links unter dem Baume, aus dessen Wipfel Satyrn lauschen, stehen die drei Göttinnen, zu deren Füssen kleine Liebesgötter spielen; ganz links, von vorn gesehen, Pallas Athene; dann, nach rechts gewandt, die Siegerin Venus; endlich Juno, von hinten gesehen, halb in einen Pelzmantel gehüllt. Ihr Pfau sucht Streit mit dem gegenüber liegenden Hunde des Paris. Dieser sitzt rechts, als Hirte gekleidet, den Stab in der Rechten, den der Schönsten zugedachten Apfel in der Linken. Neben ihm steht Merkur, der Götterbote. Oben in den Wolken aber erscheint Eris, die Göttin der Zwietracht.

Eichenholz; h. 0,49; br. 0,63. – Aus der Sammlung des Grafen Brühl. H. – Zuerst im Katalog von 1812. Nach H. „Vorbild“ zu dem grossen Exemplar des Bildes in der Londoner National Gallery; nach Woltmann nur „Copie“ nach dem letzteren (Waagen’s Kl. Schriften, S. 285, Anmerkung 2); nach Bode (bei v. Zahn VI. 202) mindestens „nicht zweifellos“; indem wir letzteres der glatteren Technik unseres Bildes wegen in Bezug auf die Eigenhändigkeit zugeben, nehmen wir doch an, dass es

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Karl Woermann: Katalog der Königlichen Gemäldegalerie zu Dresden (1887). Generaldirection der Königlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft, Dresden 1887, Seite 319. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Karl_Woermann_Katalog_der_Gem%C3%A4ldegalerie_Dresden_1887.pdf/351&oldid=- (Version vom 1.8.2018)