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Magdalena. 374. (591.) 51 c.

Halbfigur auf dunklem Grunde, fast von vorn gesehen. Ihr Oberkörper ist von ihrem aufgelöstem Haar umflossen, die Rechte presst sie an ihre Brust, mit der Linken stützt sie ihr gen Himmel gewandtes Haupt.

Leinwand; h. 0,75; br. 0,63½. – Zuerst sicher im „Catalogue“ von 1765 als Canlassi. Nach H. 1725 durch Leplat, also: Inv. 1722 ff. A 1612. Allein einerseits stimmen weder die dortige Beschreibung „eine sitzende Magdalena“, noch die dortigen Maassangaben (h. 2 Ellen 20 Zoll, br. 2 Ellen 5 Zoll) zu unserem Bilde, und andererseits ist auch seine Malweise keineswegs überzeugend diejenige des Cagnacci. Man vgl. z. B. dessen bezeichnete Bilder „Kleopatra“ und „Hieronymus“ in der kais. Galerie zu Wien.

Nach Cagnacci.

Tarquinius und Lucrezia. 375. (72.) 34 c.

Rücklings niedergeworfen, liegt die edle Römerin auf den weissen Kissen ihres mit roten Vorhängen geschmückten Lagers. Bis auf ein Stück roten Gewandes zu ihren Füssen ist sie unbekleidet. Sie sucht sich des Tarquinius zu erwehren, der sie, über sie gebeugt, mit seiner Linken an der Schulter gefasst hält und in der Rechten den Dolch zückt. Links in der Thür eine Dienerin.

Leinwand; h. 1,28½; br. 1,91. – Inv. 1722, A 163, als Copie nach Guercino aus Polen. Von H. für das zwischen 1730 und 1735 durch Gotter gesandte, dem Luca Giordano „auf Art des Pietro Cortona“ zugeschriebene Bild desselben Gegenstandes gehalten. Allein die angegebenen Maasse stimmen gar nicht mit diesem, nur mit jenem überein. – Bei H. galt das Bild ausserdem als Original des Florentiners Felice Ficherelli, gen. Riposo (1605–1660). Allein es ist sicher eine genaue Copie der bekannten „Lucrezia“ von Cagnacci in der Accademia di San Luca zu Rom. Der Canonicus Luigi Crespi in Bologna, der auch für die Dresdner Galerie Bilder besorgte, berichtet in seiner Fortsetzung der Felsina Pittrice (Roma 1769), p. 153, dass Franc. Albani’s Schüler Emilio Taruffi (1633–1702) eine Copie nach Cagnacci’s Lucrezia gemalt habe, die manche in manchen Stücken für schöner hielten, als das Original. Es ist möglich, dass unser Bild diese Copie von Taruffi ist.

Flaminio Torre.

Geb. zu Bologna, gest. zu. Modena 1661. Schüler Cavedone’s und Guido Reni’s. Während der letzten Zeit seines Lebens Hofmaler des Herzogs Alfonso IV. zu Modena.

Heilige Familie. 376. (559.) 34 a.

Kniestück. Maria hält das schlummernde Christkind auf ihrem Schoosse und hebt einen Zipfel des Linnentuches, das es bedeckte, empor, um es dem links unten stehenden kleinen Johannes zu zeigen. Links weiter zurück steht Joseph.

Leinwand; h. 1,05½; br. 0,87½. – 1746 aus der herzogl. Galerie in Modena. Der Meister hatte das Bild nach Venturi (p. 268) für den Grafen Toschi in Modena gemalt, aus dessen Besitz es 1681 in denjenigen der herzogl. Galerie überging.

Empfohlene Zitierweise:
Karl Woermann: Katalog der Königlichen Gemäldegalerie zu Dresden (1887). Generaldirection der Königlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft, Dresden 1887, Seite 150. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Karl_Woermann_Katalog_der_Gem%C3%A4ldegalerie_Dresden_1887.pdf/182&oldid=- (Version vom 1.8.2018)