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Unbestimmte Oberitaliener. Ende des XVI. Jahrhunderts.

Pietas. 298. (353.) 32 a.

Der Leichnam des Heilands wird in sitzender Stellung, nach rechts, auf dem Rande des Sarges von drei Engeln gehalten. Landschaft mit Bäumen im Hintergrunde.

Kupfer; h. 0,25; br. 0.20. – Zuerst im Verzeichniss von 1835 als „unbekannt.“ Später von H. frageweise dem Giuseppe Porta, gen. Salviati (vergl. oben N. 86), zugeschrieben. Doch deuten die Formensprache und das Spiel des Helldunkels eher auf einen Nachahmer Lottos, der auch mit Correggio’s Art bekannt gewesen.

Die hl. Margaretha. 299. (105.) D 4.

Sie kniet neben dem Drachen, dessen Rachen sich neben ihr öffnet. In der Linken hält sie einen Palmenzweig, die Rechte erhebt sie.

Leinwand; h. 1,73; br. 1,28. – Inventar 1754, I 104, als „Scuola del Vanni da Siena“. – Bei H. der römischen Schule zugeteilt. – Uns scheint das Bild eher der ferraresisch-bolognesischen Schule anzugehören.

Angeblicher Oberitaliener des XVI. Jahrhunderts.

Bildniss eines Ehepaares. 300. (166.) 32 d.

Kniestück auf schwarzem Grunde. Die beiden Gatten stehen, scharf im Profil gesehen, nach rechts gewandt hinter einander. Vorn der Mann in roter Mütze, im Begriff einen Handschuh anzuziehen, hinter ihm die Frau in schwerem gelben Kleide. Oben links die Inschrift: ALBERTO . PIO . P . MVTINAE . ET . REGII . PRO . FEDERIGO II . IMP . PERP.VO VIC.IO LVCRETIÆ . Q. GONZAGÆ MANTVÆ . MARCHIONIS . F . EIVS . VXORI . ANNO . MCCXXXXVII. – Unten die Bezeichnung VRSO . F.

Leinwand; h. 1,07; br. 0,87½. – 1874 aus dem römischen Kunsthandel. – Bei H. einem Bernardino Orsi, der um 1511 zu Reggio lebte, zugeschrieben. Allein die Inschrift mit der deutlichen Jahreszahl 1247 beweist, dass der Verfertiger des Bildes es dem alten bolognesischen Maler Ursone zuzuschreiben gedachte, von dem Malvasia (Felsina Pittrice I. p. 8–9) bezeichnete Bilder (mit derselben Inschrift VRSO . F.) von 1226 bis 1248 kannte. Ausser der Malweise beweist aber schon die Tracht, welche diejenige des XV. Jahrhunderts ist, dass dieses unmöglich ist, dass die Inschrift also jedenfalls gefälscht ist, und vergleicht man ferner die dünne, weich modellirende Malweise (man betrachte nur die Hände des Mannes!) mit dem Costüm, so wird man auch hier einen so unvereinbaren Gegensatz finden, dass nichts übrig bleibt, als das ganze Bild für eine moderne Fälschung zu halten.



Empfohlene Zitierweise:
Karl Woermann: Katalog der Königlichen Gemäldegalerie zu Dresden (1887). Generaldirection der Königlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft, Dresden 1887, Seite 129. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Karl_Woermann_Katalog_der_Gem%C3%A4ldegalerie_Dresden_1887.pdf/161&oldid=- (Version vom 1.8.2018)