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Die Ausstellung Christi. 184. (265.) E 3.

Kniestück.[WS 1] Rechts steht Pilatus im rotem Schnürrock mit Pelzmantel und spitzer roter Pelzmütze. Er erhebt redend die Linke. Christus steht mit gebundenen Händen nach rechts gewandt und trägt das Rohr im Arme, die Dornenkrone auf dem Haupte. Links neben ihm ein Knabe, der ihn am Stricke festhält. Ein Palast im Hintergrunde.

Leinwand; h. 0,84 ; br. 0,76½. – 1741 durch Riedel aus Wien; im Inventar Guarienti (vor 1753) N. 365 als „Francesco Vecelli“ (Tizian’s Bruder, gest. nach 1559). So auch bei H. – Indessen haben Cr. und Cav. S. 741 die Ansicht ausgesprochen, die Hand, welche dieses Bild ausgeführt habe, sei jünger und darauf aufmerksam gemacht, dass die Composition (a. a. O. S. 701) ähnlich derjenigen eines Gemäldes zu Hampton Court, nur eine variirte Copie des Originalbildes Tizian’s im Madrider Museum sei. Mit dem letzteren stimmt das unsere in der That, wenigstens in der Person des Pilatus und des Heilandes, überein. Es hat also als veränderte Schulcopie zu gelten; und wir müssen es bis auf weiteres dahingestellt sein lassen, ob die Ueberlieferung, welche diese auf Francesco zurückführt, sich bestätigt.

Giorgione.

Giorgio Barbarelli, gen. Giorgione. Geb. (nach der zweiten Aufl. des Vasari, der wir folgen) 1478 zu Castelfranco im venezianischen Gebiete, gest. zu Venedig 1511. Neben Tizian, der eine Zeit lang sein Genosse war, der Hauptschüler Giov. Bellini’s. Thätig zumeist in Venedig.

Schlummernde Venus. 185. (262.) E 2.

Mit geschlossenen Augen liegt die völlig unbekleidete Göttin der Schönheit ausgestreckt in blühender Landschaft. Ihr Haupt ruht links unter dem Felsen auf rot überzogenem Kissen. Ihren rechten Arm hat sie unter ihr Haupt gelegt, mit der Linken bedeckt sie ihre Blösse. Unter ihr im blumigen Rasen ist ein weisses Linnen ausgebreitet. Rechts im Mittelgrunde liegt ein Castell auf der Anhöhe. In der Mitte schweift der Blick über grünes, gewelltes Land auf ferne blaue Berge, die einen See umkränzen.

Leinwand; h. 1,08½; br. 1,75. – Inv. 1722 (A 49) als „die berühmte nackende Venus, auf dem Rücken liegend“. Original von Tizian. – Im Inv. 8° (1728–1741. Fol. 256) als „eine Venus, beym Füssen Cupido“. Dass wirklich ein Cupido zu Füssen der Venus gesessen, aber später als zu schadhaft fortrestaurirt worden, bestätigt H. Auch liess eine Untersuchung der Stelle des Bildes es noch erkennen. – Dadurch wird es um so wahrscheinlicher, dass Giov. Morelli (Lerm. S. 193–196) recht hatte, in diesem Bilde das Originalgemälde Giorgione’s zu erkennen, welches der anonyme Reisende des XVI. Jahrhunderts (Notizie etc., ed. Jacopo Morelli, Bassano 1800, p. 66) im Hause des Jeronimo Marcello in Venedig sah und als eine „in einer Landschaft

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Ergänzung siehe Berichtigungen und Zusätze: Seite 93 Zeile 1 von oben ist „Kniestück“ einzuschalten.
Empfohlene Zitierweise:
Karl Woermann: Katalog der Königlichen Gemäldegalerie zu Dresden (1887). Generaldirection der Königlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft, Dresden 1887, Seite 93. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Karl_Woermann_Katalog_der_Gem%C3%A4ldegalerie_Dresden_1887.pdf/125&oldid=- (Version vom 1.8.2018)