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Emmaus. 181. (263.) 35 a.

Der Heiland sitzt in der Mitte an gedeckter Tafel und bricht das Brod. Von den beiden Jüngern, die ihn plötzlich erkennen, hat sich derjenige zur Rechten mit gefalteten Händen erhoben, während derjenige zur Linken erstaunt zurückfährt. Zwischen dem letzteren und dem Heiland ein Aufwärter mit roter Kappe. Ganz links trägt ein Junge eine grosse Schüssel herein. Rechts prachtvolle Landschaft.

Leinwand; h. 1,69½; br. 2,37½. − 1749 aus der K. Galerie zu Prag. – Damals als Original. Dieses befindet sich jedoch anerkanntermaassen, auch nach H., in Louvre zu Paris. Unser Bild ist eine gute alte Copie.

Venus und Adonis. 182. (264.) 35 a.

Die Göttin sitzt, von hinten gesehen, links unter einem Baume, wendet sich scharf nach rechts um und sucht den enteilenden Adonis, welcher seinen Speer geschultert trägt, fest zu halten. Zu Adonis’ Füssen ein sitzender und ein stehender Hund. Links Amor am Knie der Göttin. Im Hintergrunde eine schlichte Landschaft.

Leinwand; h. 1,38; br. 1,60. – Wohl 1742 durch de Brais aus Paris; ins 1856 im Vorrat. – Auch diese Composition Tizian’s ist unzählige Male copirt und zugleich variirt worden. Als erste Originalskizze Tizian’s gilt das schöne Bild zu Alnwich Castle in England. Die veränderte Ausführung im Grossen besitzt das Madrider Museum. Hier hält Adonis den gefiederten Speer in der erhobenen Rechten und hält mit der Linken drei Hunde an der Leine. Amor schläft links unter dem Baume. Unsere anmutig veränderte Copie zeigt eine glattere, spätere Hand.

Venus und Adonis. 183. (261.) R 2.

Hier sitzt die Göttin, von hinten gesehen, rechts unter einem Baume und wendet sich nach links, um ihren Liebling zu umarmen und zu küssen. Dieser ist nur um die Hüften bekleidet, trägt das Jagdhorn an seiner linken Seite, stützt sich mit der Rechten auf seinen Speer und beugt sich flüchtig zu der liebenden Göttin herab. Zu seinen Füssen zwei Hunde; rechts neben Venus ein kleiner Amor. Links offene Landschaft.

Leinwand; h. 1,91; br. 1,66½. – Inv. 1722, A 1500, als „Beverenzo.“ – Vergl. die Bemerkungen zum vorigen Bilde. – Die Umbildung der Tizian’schen Composition ist hier so frei, dass das Bild nicht einmal mehr als veränderte Copie nach dem Originale gelten kann; doch ist es durch dasselbe eingegeben. In der Ausführung zeigt es eine viel spätere, schwächere Hand; und da Zanetti und nach ihm Lanzi und Nagler berichten, um 1660 habe ein Meister namens Antonio Beverense (wofür Lanzi, Ed. Pisa III, p. 308, Bavarense vermutet) zu Venedig gearbeitet, so kann die Angabe unseres alten Inventars auf diesen gedeutet werden.

Empfohlene Zitierweise:
Karl Woermann: Katalog der Königlichen Gemäldegalerie zu Dresden (1887). Generaldirection der Königlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft, Dresden 1887, Seite 92. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Karl_Woermann_Katalog_der_Gem%C3%A4ldegalerie_Dresden_1887.pdf/124&oldid=- (Version vom 1.8.2018)