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Die hl. Familie mit der Stifterfamilie. 175. (250.) 2 b.

Kniestück. Ganz links sitzt Joseph. Dann folgt Maria, welche in ihrer rechten Hand ein Buch auf dem Schoosse hält. Das Christkind auf ihrem linken Knie drückt mit beiden Händen ein Spiel -Vögelchen an sich und wendet sein Köpfchen den rechts anbetenden Stiftern zu. Vorn kniet die Hausfrau in weissem Kleide, hinter ihr der Hausherr in schwarzem Rocke und ihr Söhnchen mit gefalteten Händchen. Im Hintergründe Berge und Bäume.

Leinwand; h. 1,18; br. 1,61. – 1740 aus der herzogl. Galerie zu Modena. Zu Anfang des XVII. Jahrhunderts aus dem Castelle zu Ferrara nach Modena. Ventura p. 38. – In Modena und Dresden stets als Original Tizian’s. Von Cr. und Cav. Tizian S. 159 und S. 716 nur für eine Schülerarbeit, „etwa des Orazio oder Marco Vecelli“ erklärt. Dagegen giebt Lerm., S. 202, es der reifen Zeit des Meisters selbst zurück, erklärt es aber für „sehr restaurirt“. – Gestochen von Et. Fessard ☼ I, 10 und J. Folkema. – Die dargestellten Stifter gab Guarienti für Alfonso I., Herzog von Ferrara, seine Gemahlin Lucrezia Borgia und deren Sohn aus. Doch ist dieses unrichtig, wie auch die alten Modeneser Inventare (Venturi pag. 304 und 360) nichts davon wissen. – Phot. Braun IV, 12 und Phot. Ges.

Bildniss einer Dame in rotem Kleide. 176. (257.) E 2.

Kniestück etwas nach rechts auf grauem Grunde. Das rote Kleid zeigt goldenen Besatz. Die reich geschmückte Dame stützt die linke Hand auf einen Tisch und hält in der Rechten einen Pelzsack mit goldenem Tierkopf.

Leinwand; h. 1,35; br. 0,89½. – 1746 aus der herzogl. Galerie zu Modena. – Schon von H. bezweifelt. – Nach Cr. und Cav. Tizian S. 716 nicht von Tizian, sondern von Bern. Licinio. Nach Lerm. S. 206–207 ursprünglich doch ein echtes Werk Tizian’s gewesen.

Nach Tizian.

Venus mit dem Lautenspieler. 177. (251.) E 3.

Halbaufrecht ruht Venus, nach links gewandt, auf schneeigem Lager. Hinter ihr vor rotem Vorhang steht Amor und setzt ihr einen Blumenkranz auf das Haupt. Links zu ihren Füssen sitzt ein junger Mann, welcher die Laute spielt, an der Brüstung, auf der sein Notenheft liegt. Selbst von hinten gesehen, wendet er sich zur Venus zurück. Links köstliche Berg- und Baumlandschaft.

Leinwand; h. 1,42; br. 2,08. – 1731 durch Leplat. Im Inventar 8° A 2249 wird der Lautenspieler (ohne Grund) als Philipp II. von Spanien bezeichnet. Das Bild ist eins von einer Reihe ähnlicher, die, zum Teil verändert, in der Werkstatt des Meisters von Schülerhänden wiederholt wurden. Sicher eigenhändig ist das Madrider Exemplar N. 459, doch fehlt hier der Amor; dafür scherzt Venus mit einem Hunde,

Empfohlene Zitierweise:
Karl Woermann: Katalog der Königlichen Gemäldegalerie zu Dresden (1887). Generaldirection der Königlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft, Dresden 1887, Seite 90. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Karl_Woermann_Katalog_der_Gem%C3%A4ldegalerie_Dresden_1887.pdf/122&oldid=- (Version vom 8.3.2017)