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Ital. Pappelholz; h. 2,85; br. 1,90. – 1746 aus der herz. Galerie zu Modena. – Correggio hatte das Bild zwischen 1530 und 1532 für die Kirche San Pietro Martire zu Modena gemalt. Pungileoni II, p. 233–238. – 1649 liess der Herzog es in seine Galerie bringen. Venturi S. 225. – Gestochen von Chr. Bertelli, N. D. Beauvais ☼ I. 2, Th. Langer. E. G. Krüger; radirt von G. M. Giovannini und G. M. Mitelli. – Phot. Braun V, 5. – Phot. Ges.

Magdalena. 154. (170.) 3 c.

Unter dichtbelaubten Felsen liegt Magdalena, halb aufgerichtet, mit dem Rücken nach oben, stützt den Kopf auf den rechten Arm und dessen Ellenbogen auf das Buch, welches sie mit der linken Hand vor sich aufgeschlagen hält. Sie blickt eifrig lesend hinab. Links neben ihrem Kopfe steht ihr Salbgefäss. Ihre Brust ist nackt, wie ihre Füsse. Ein blauer Mantel umfliesst ihren Unterkörper, ihren Rücken und ihren Hinterkopf. Ihr blondes Haar fällt auf ihre Schultern herab. Sie ist hell von vorn beleuchtet.

Kupfer; h. 0,29; br. 0,39½. – 1746 aus der herz. Galerie zu Modena. Das Bild war damals so berühmt, dass es besonderer Anstrengungen der Unterhändler bedurfte, um es in den Ankauf einzuschliessen. Es hatte einen silbernen, mit Edelsteinen geschmückten Rahmen, der erst, als es im Jahre 1788 einmal gestohlen, aber bald nach der Entdeckung des Diebes zurückgebracht war, durch den gewöhnlichen Galerie-Rahmen ersetzt wurde, um selbst in’s grüne Gewölbe zu wandern. – Das Bild hat den gesammten modernen Correggio-Forschern bis vor kurzem als eins der schönsten Werke des Meisters gegolten. Erst neuerdings hat Giovanni Morelli (Lerm. S. 153–161) mit grosser Entschiedenheit die Unechtheit des Bildes behauptet: teils, weil das Bild auf Kupfer gemalt sei, was zu Correggio’s Zeiten in Italien ganz vereinzelt dastehen würde, teils weil die Formensprache und die Malweise (z. B. die Lichter am Schnitte der Nägel und die Steine und Pflanzen des Vordergrundes) durchaus nicht diejenigen des grossen Meisters von Correggio seien. Wir teilen, wie auch Jul. Meyer es neuerdings thut, in diesen Punkten Morelli’s Ansicht. Morelli geht jedoch so weit, unser Bild für eine niederländische Copie, das unbekannte Original nicht für ein Werk Correggio’s, sondern eines Schülers der Carracci zu erklären; und hier können wir dem geschätzten Kenner nicht mehr folgen. Wir können uns zunächst mit der Ansicht, dass unser Bild niederländischen Ursprungs sei, nicht einverstanden erklären. Der Ansicht Morelli’s gegenüber, dass sogar ein Niederländer der Richtung A. v. d. Werff ’s es gemalt habe, ist darauf hinzuweisen, dass das Bild nach Venturi p. 291 schon 1682 in der Sammlung zu Modena als Meisterwerk Correggio’s copirt wurde. – Wann es nach Modena gekommen, lässt sich leider nicht nachweisen. Baldinucci berichtet (Notizie V, 1702, p. 304) von einem anscheinend identischen Bilde Correggio’s, welches sich um 1600 in Florenz im Privatbesitze befunden habe und von Crist. Allori und seinem Schüler Rossi unzählige Male copirt worden sei. Viele Copien unseres Bildes haben sich in der That erhalten, doch kann es selbst ebenso gut eine der Copien als jenes Original sein. Auch wäre zu erweisen, dass jenes Original mit Recht für ein Werk Correggio’s angesehen worden sei. In dieser Beziehung lässt sich nur auf eine im Giornale di Erudizione artistica (nach Lerm. S. 160) veröffentlichte Urkunde hinweisen, nach welcher Correggio allerdings eine lesende Magdalena, die aber nicht näher beschrieben wird, gemalt hat. Nach

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Karl Woermann: Katalog der Königlichen Gemäldegalerie zu Dresden (1887). Generaldirection der Königlichen Sammlungen für Kunst und Wissenschaft, Dresden 1887, Seite 81. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Karl_Woermann_Katalog_der_Gem%C3%A4ldegalerie_Dresden_1887.pdf/113&oldid=- (Version vom 1.8.2018)