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Liste.png Illustrirte Zeitung, Nr. 6 vom 5. August 1843


darauf ankommt, die Waare dem chinesischen Geschmack angenehm zu machen, und zwar ohne Frage weit mehr ankommt, als auf den Preis. Die einer Kundschaft angenehme Aeußerlichkeit besiegt die Mitbewerbung viel eher, als die Innerlichkeit der Waaren; erstere aber herzustellen kostet weniger, als die Erzielung dieser.

In der Würdigung und angemessenen Ausführung dieses Erfahrungssatzes beruht ein großes Geheimniß der englischen überwiegenden Concurrenz.

Deutschland fabricirt viele Artikel, in denen man England die Spitze bieten kann, und höchst wahrscheinlich sind dies glücklicher Weise solche Artikel, welche in China Aufnahme finden können. – Glatte wollene Waaren, Tuche, feine Thibets, Mousseline, Linnen, Bijouterie-Artikel, Uhren, Stahlwaaren, Musikinstrumente, Stickereien, vielleicht auch baumwollene oder leinene Strümpfe dürften wohl Artikel sein, welche zunächst von Deutschland mit einiger Sicherheit des Erfolgs abzurichten wären. – Ob es möglich ist, die Starrheit des chinesischen Geschmacks bis zu dem Grade zu erweichen, daß unsere europäische Mode einigen Eindruck machen kann, ist allerdings nicht im Voraus zu sagen. Unwahrscheinlich ist es inzwischen nicht. Die Neigung des Menschen zur Abwechselung ist nicht ganz zu unterdrücken. Sehen wir doch, wie nach und nach die festgewurzelten Nationaltrachten unter uns doch der Mode eine Einwirkung auf sich gestatten. Sollte dies in China ganz und gar anders sein, wo die Frauen ganz besonders viele Sorgfalt auf ihr Aeußeres wenden und die Männer nicht minder an Prunk und Aeußerlichkeiten Gefallen finden? Die europäische Civilisation wird zwar langsam aber sicher ihren überwältigenden Einfluß auch auf China zu äußern nicht verfehlen, nachdem seine lang behauptete luftdichte Absperrung einmal durchbrochen ist. Dem Handelsgeist wird es vorbehalten bleiben, die gewonnenen Erfolge sofort für die heimische Industrie nützlich weiterzuführen. – Fragen wir nun endlich, was in Deutschland geschehen, um die Hoffnungen deutschen Handels und deutschen Gewerbfleißes auf China der Erfüllung näher zu bringen, so ist die Antwort nicht ganz unbefriedigend. Erste Schritte sind bereits gethan, und die betreffenden Regierungen zeigen regen Eifer, was an ihnen liegt, zu thun, um die nächsten Wege anzubahnen. Von Triest aus sind bereits Agenten unterwegs. Ein Hamburger Haus, Andreson & Höber ist im Begriff, eine Commandite in irgend einem der fünf bis jetzt offenen chines. Häfen, wahrscheinlich in Hong-kong, zu errichten; denn diese Insel wird unstreitig, wenigstens noch für einige Zeit, den Hauptniederlagplatz für die ausländischen Waaren bilden, und von dort aus wird man die anderen Häfen erforschen. Hong-kong hat sich in sehr kurzer Zeit so gehoben, daß die früher kaum der Erwähnung werthe Bevölkerung bis auf 21,000 Menschen gestiegen ist. Der Handel mit den anderen Häfen dürfte für den Anfang von hier aus durch schnellsegelnde Schiffe, mit Supercargos und gewandten Capitainen, geführt werden. Ein Associé des genannten Hauses ist bereits über Aegypten nach China abgereist. Das Haus Harkort in Leipzig, in Verein mit Hirzel, betreibt ebenfalls eine Aussendung und hat bereits Fabrikanten, deren Waaren sich für den Markt zu eignen scheinen, zu Mitsendungen ermuntert; auch haben diese Häuser sich erboten, Auskünfte über den Markt anderer Waaren in China, gegen eine mäßige Commission, zu verschaffen. Nicht minder hat sich außer Bremen auch die preußische Seehandlung beeilt, eine Verschiffung nach China zu unternehmen. Es ist von derselben schon zu Anfang dieses Jahres das ihr gehörige Schiff „Prinzessin Louise“, Capitain Rodbertus, nach China abgesendet worden, um die dortigen Märkte kennen zu lernen; auch ist bereits in der Person eines mit dem chinesischen Handel vertrauten rheinländischen Beamten ein Generalconsul designirt, welcher die Handelsinteressen Preußens und des Zollvereines in China vertreten soll, wie sich denn überdies mit Gewißheit erwarten läßt, daß der in den Zeitungen oft genannte, in England viel geltende Missionär Gützlaf, der aus Stettin gebürtig ist, das deutsche Interesse unterstützen wird, soweit es seine besondern Verpflichtungen gegen England gestatten.

Die deutsche Vorsicht und die Beschränktheit des deutschen Eigenhandels über Meer werden nicht zu rasche Erfolge herbeiführen, sondern viele Kaufleute und Fabrikanten nur zunächst Erkundigungen über Bedarf, Geschmacksrichtungen und Preise einziehen – andere sich englischen Unternehmungen anschließen. Nur erst nach und nach werden selbst wohlbegründete Erwartungen zeitigen und zur Frucht reifen; allein es würde thöricht sein, auf ein künftiges mögliches Ereigniß schon jetzt seine Speculationen zu bauen, und diese müssen sich vielmehr, für den ersten Anfang namentlich, ganz der chinesischen Sitte und selbst den chines. Vorurtheilen anschmiegen. Wollen die Deutschen Erfolg haben, so müssen sie die Magnetnadel nach Süden weisen lassen, ihre Strümpfe hiesigen Klumpfüßen anpassen, und eben deshalb ihre eifrigsten Bemühungen auf das Studium chinesischer Art und Weise und auf die Anschaffung chinesischer Muster richten.

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Chinesische Zahlmittel.
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Syceesilber.

Das gewöhnlichste Zahlungsmittel in China bildet das sogenannte Syceesilber. Im Verkehr kommt es in Stücken vor, die 3–4 Zoll dick und nach der Form des Schmelztiegels gestaltet sind, in dem auch die Illustration ein solches Stück darstellt. Das Syceesilber ist sehr rein, und auf den einzelnen Stücken befinden sich chinesische Schriftzeichen. Die Kriegszahlungen, welche China an England zu machen hat, werden theils in spanischen Piastern, theils in Syceesilber geleistet. Eine Masse von 20 Schiffstonnen Syceesilber, das in 425 viereckigen Kasten von etwa 2 Fuß Seitenlänge und 11/2 Fuß Höhe verpackt war, hatte einen Werth von 3/4 Mill. Dollars.

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Chinesische Thaler.

Die chinesischen Thaler sind blos rohe Silberstücke, gröblich gerundet und ohne anderes Gepräge, als was die verschiedenen Kaufleute, durch deren Hände sie gehen, darauf anbringen. Jeder Gewerbsmann, in desen Besitz sie gerathen, stempelt sie nämlich mit seiner Firma, und auf diese Weise sind alle Stücke, die sich schon lange im Umlauf befinden, ganz bedeckt mit den Namenszeichen der Eigenthümer, denen sie nach und nach angehört haben.

Den Ort, wo bisher allein der Handel mit China betrieben werden durfte, und von woher einzig und allein chinesisches Geld zu uns kam, geben wir in der Illustration.

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Englische Factoreien in Canton.


Briefwechsel mit Allen für Alle.

Herrn B. C. in H.     Ueber die uns gesandten Correspondenzen bitten wir weiter zu verfügen, da uns weniger daran gelegen ist, von Allem und Jedem, was geschieht, Nachricht zu erhalten, als kurze und in sich abgeschlossene Schilderungen wirklich bedeutender Ereignisse.

Herrn v. H. in C.     Die Schilderung eines öffentlichen Charakters, welcher sich im Beginn seines öffentlichen Auftretens zweideutig, und am Schluß desselben feigherzig erwies, hätten wir kein Bedenken gehabt, aufzunehmen, wenn der Gegenstand objectiver behandelt, und mehr eine treue, wenn auch treffende Zusammenstellung der Thatsachen, als eine Polemik gegeben worden wäre, der wir volle Wahrheit nicht absprechen, die aber gleichwohl nichts entscheidet.

Frau von W. in S.     Das Portrait der Königin Christine soll ehemöglichst von uns gegeben werden, das von Munoz fürchten wir nicht auftreiben zu können.

Herrn G. in R.     Für die heute eingegangene Sendung unsern besten Dank, und erwarten wir ehemöglichst, was zur Vervollständigung der Beschreibung gehört.

Herrn J. J. in B.     Ein sehr gelungenes Bild von Wellington ist bereits in unserm Besitz und wird demnächst mitgetheilt werden.

Ein Abonnent.     Wir sind noch nicht von den Erfolgen des neuen Versuchs zur Hebung des Telemach (vergl. Nr. 1) unterrichtet.

Ein Schachspieler.     Wo die versprochenen Schachaufgaben bleiben; die nächste Nummer wird die erste enthalten, und sehen wir mit Vernügen der Lösung durch unsere Leser entgegen.


Empfohlene Zitierweise:
: Illustrirte Zeitung, Nr. 6 vom 5. August 1843. J. J. Weber, Leipzig 1843, Seite 88. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Illustrirte_Zeitung_1843_06.pdf/8&oldid=3332301 (Version vom 1.8.2018)