Seite:Illustrirte Zeitung 1843 03.pdf/1

Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Liste.png Illustrirte Zeitung, Nr. 3 vom 15. Juli 1843


Illustrirte Zeitung (1843) Kopf.PNG


Nr. 3.] Leipzig, Sonnabend den 15. Juli. [1843.

Jeden Sonnabend 1 Nummer von 48 Foliospalten. – Vierteljährlicher Pränumerationspreis 12/3 Thlr. oder wöchentlich 4 Ngr. – Einzelne Nummern 5 Ngr.

Inhalt.

Der Erzherzog Karl von Oestreich. – Unser Wochenbericht. – Der Tod des Herzogs von Sussex. – Der Proceß Caumartin. – Briefwechsel mit Allen für Alle.

Lied der norwegischen Matrosen, aus dem fliegenden Holländer. – Das Jubelfest der Schul-Pforta. (II.) – Don Pasquale, Oper von Donizetti. – Ehrengeschenk an Sir Moses Montefiore. – Ein Reisemärchen (Forts.) – Vater! Laß mich den Kometen sehen! – Anzeigen. – Modebericht.



Der Erzherzog Karl von Oestreich.
Der Sieger bei Neerwinden und Jubilar als Großkreuz des Theresien-Ordens.

Zahlreich waren die Söhne, die die Infantin Marie Louise dem Kaiser Leopold II. schenkte, der als Kaiser kaum so groß und ruhmreich war, wie als Großherzog von Toscana. Der Aelteste, Franz, war berufen, der letzte römische Kaiser, der erste Kaiser von Oestreich zu sein. In früher Jugend und zur schwierigsten Zeit auf den Thron gelangt, hat er große Prüfungen zu bestehen, große Opfer zu bringen gehabt, aber auch wunderbare Herstellung erlebt und zuletzt noch eine vieljährige Regierung in Frieden, Sicherheit und Achtung genossen. Ohne glänzende Gaben, ohne einen freien und weitblickenden Sinn, nicht ohne einen Zug des Mißtrauens und der Strenge in seinem Wesen, hat er doch durch einfache, ungesuchte Würde, einen schlichten, geraden Sinn, ein klares Urtheil innerhalb des Kreises seiner standhaft festgehaltenen Grundsätze, sich des Hauses Habsburg würdig gezeigt und im Alter eine höhere Popularität erworben, als seiner Jugend versprochen ward. Von seinen Brüdern gedenken wir hier zunächst des Aeltesten, Ferdinand’s († 1824), der den Thron von Toscana erbte und das schöne Land im Geiste seines Vaters regierte. Dann des Erzherzogs Joseph (geb. 9. März 1776), der noch heute als Palatin von Ungarn eine gewiß sehr schwierige Aufgabe mit Umsicht und Takt löst und die Liebe zum Ungarischen Volksthum, den Eifer für die wahren Interessen Ungarns mit der Treue für Oestreich zu versöhnen gewußt hat. Bereits ist ihm in dem Erzherzog Stephan, einer stolzen Hoffnung Oestreichs, ein dereinstiger Erbe seiner Tugenden und Gaben erwachsen. Bedarf es eines rühmenden Wortes für den Erzherzog Johann (geb. 20. Jan 1782), den Freund des Gebirgs und seiner Völker, den kühnen Streiter im Volkskriege gegen wälsche Herrschaft, den freisinnigen Patrioten, den echten Bürgerfreund, den geistvollen Pfleger der Wissenschaft, den echten Deutschen, der durch sein großes für Deutschlands Einigung gesprochenes Wort noch jüngst so viele Herzen deutscher Vaterlandsfreunde erwärmt hat? – Kaum minder schwierig als die des Palatin von Ungarn, ja bei der weniger biedern Natur des italischen Volks und der Nothwendigkeit, mehr durch Zwang und Strenge zu operiren, als, wie in Ungarn, durch die Waffe der Ueberzeugung, der Verständigung und Vermittelung, war die Aufgabe des Erzherzogs Rainer (geb. 30. Sept. 1783), als Vicekönig des Lombardischen und Venetianischen Königreichs, und auch sie wird mit Glück und Geschick gelöst. Ihm wachsen fünf kräftige Söhne auf. Endlich der jüngste Sohn des Kaisers Leopold, der Erzherzog Ludwig (geb. 13. Dec. 1784), steht dem jetzt regierenden Kaiser mit Kraft und Umsicht in seinem schwierigen Werke bei.

Illustrirte Zeitung (1843) 03 001 1 Erzherzog Karl von Oestreich.PNG

Erzherzog Karl von Oestreich

Unter allen den Söhnen des Kaisers Leopold, deren Reihe noch größer war, schrieb sich doch mit dem größten, unvergänglichen Ruhme der Erzherzog Karl (geb. 5. Sept. 1771) in die Tafeln der Geschichte ein. Er hat sich an der Spitze der Heere Oestreichs mit den berühmtesten Feldherren der Zeit gemessen und sich würdig in ihre Reihe gestellt.

Empfohlene Zitierweise:
: Illustrirte Zeitung, Nr. 3 vom 15. Juli 1843. J. J. Weber, Leipzig 1843, Seite 33. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Illustrirte_Zeitung_1843_03.pdf/1&oldid=3137540 (Version vom 7.6.2018)