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Seite:Goethe Götz von Berlichingen WA Bd 8 073.jpg

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euch was von Mannsleuten erzählen. Was seid denn ihr, um von Wankelmuth zu sprechen? Ihr, die ihr selten seid was ihr sein wollt, niemals was ihr sein solltet. Könige im Festtagsornat, vom Pöbel beneidet. Was gäb’ eine Schneidersfrau drum, eine Schnur Perlen um ihren Hals zu haben, von dem Saum eures Kleids, den eure Absätze verächtlich zurückstoßen!

Weislingen. Ihr seid bitter.

Adelheid. Es ist die Antistrophe von eurem Gesang. Eh ich euch kannte, Weislingen, ging mir’s wie der Schneidersfrau. Der Ruf, hundertzüngig, ohne Metapher gesprochen, hatte euch so zahnarztmäßig herausgestrichen, daß ich mich überreden ließ zu wünschen: möchtest du doch diese Quintessenz des männlichen Geschlechts, den Phönix Weislingen zu Gesicht kriegen! Ich ward meines Wunsches gewährt.

Weislingen. Und der Phönix präsentirte sich als ein ordinärer Haushahn.

Adelheid. Nein, Weislingen, ich nahm Antheil an euch.

Weislingen. Es schien so –

Adelheid. Und war. Denn wirklich ihr übertraft euern Ruf. Die Menge schätzt nur den Widerschein des Verdienstes. Wie mir’s denn nun geht, daß ich über die Leute nicht denken mag, denen ich wohl will; so lebten wir eine Zeit lang neben einander, es fehlte mir was, und ich wußte nicht was ich

Empfohlene Zitierweise:
Johann Wolfgang von Goethe: Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand. Weimar: Hermann Böhlau, 1889, Seite 73. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Goethe_G%C3%B6tz_von_Berlichingen_WA_Bd_8_073.jpg&oldid=3320644 (Version vom 1.8.2018)