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Seite:Goethe Götz von Berlichingen WA Bd 8 063.jpg

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dich? Konnt’ ich dich ohne das nicht befreien? Gelt’ ich so wenig am Kaiserlichen Hofe?

Weislingen. Es ist geschehen; verzeiht mir wenn ihr könnt.

Bischof. Ich begreif nicht, was nur im geringsten dich nöthigte den Schritt zu thun! Mir zu entsagen? Waren denn nicht hundert andere Bedingungen los zu kommen? Haben wir nicht seinen Buben? Hätt’ ich nicht Gelds genug gegeben, und ihn wieder beruhigt? Unsere Anschläge auf ihn und seine Gesellen wären fortgegangen – Ach ich denke nicht, daß ich mit seinem Freunde rede, der nun wider mich arbeitet, und die Minen leicht entkräften kann, die er selbst gegraben hat.

Weislingen. Gnädiger Herr!

Bischof. Und doch – wenn ich wieder dein Angesicht sehe, deine Stimme höre. Es ist nicht möglich, nicht möglich.

Weislingen. Lebt wohl, gnädiger Herr.

Bischof. Ich gebe dir meinen Segen. Sonst, wenn du gingst, sagt’ ich: Auf Wiedersehn! Jetzt – Wollte Gott wir sähen einander nie wieder!

Weislingen. Es kann sich vieles ändern.

Bischof. Vielleicht seh’ ich dich noch einmal, als Feind vor meinen Mauern, die Felder verheeren, die ihren blühenden Zustand dir jetzo danken.

Weislingen. Nein, gnädiger Herr.

Empfohlene Zitierweise:
Johann Wolfgang von Goethe: Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand. Weimar: Hermann Böhlau, 1889, Seite 63. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Goethe_G%C3%B6tz_von_Berlichingen_WA_Bd_8_063.jpg&oldid=3320633 (Version vom 1.8.2018)