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XV.
Der Krieg von 1402–1404.

Es verlohnt sich wohl der Mühe, diesen Krieg etwas genauer ins Auge zu fassen, da er der Vorläufer der Kämpfe von 1500 und 1559 gewesen und in demselben zuerst die Forderung der Heeresfolge an Dithmarschen gestellt, d. h. dessen Eroberung beabsichtigt ist. Er hat Dithmarschen entsetzlich verwüstet, hat aber auch den Dithmarschern die schwachen Stellen ihres Landes gezeigt und durch sein glückliches Ende außerordentlich viel dazu beigetragen, den Heldenmuth bei ihnen auszubilden, durch den sie im Jahr 1500 und 1559 glänzen. Bis dahin lagen der Erzählung nur die Daten des Neocorus zu Grunde, aber die Klageschrift von 1447 bei Michelsen, Urkundenbuch, S. 44 ff. enthält die vortrefflichsten Ergänzungen zu der etwas verwirrten Erzählung, indem sie die Tage nennt, an welchen die einzelnen Plünderungszüge vorgenommen wurden, und die Ortschaften, die sie trafen; stand doch vorher nicht einmal das Jahr des ersten Angriffes fest.

Es war im Jahre 1402 am Pfingstdienstag, den 16. Mai, als der Herzog Erich von Lauenburg aus unbekannter Ursache und ohne Kriegserklärung heimlich durch Holstein heranzog, die beiden Dörfer Röst und Tensbüttel überfiel und alles, was sich darin vorfand, Silbergeschirr, Vieh, Kleider plünderte und mit sich fortführte. Die Dithmarschen gaben den Werth auf 23,000 Mark an. Nachdem er die Dörfer angezündet, bei deren Vertheidigung drei freie Männer gefallen waren, zog er mit seinem Raube nach Bramstedt ab, wo er übernachtete. Die Dithmarschen waren außer sich über einen solchen Ueberfall im tiefsten Frieden, namentlich daß der Feind durch Holstein gekommen sei, mit dem sie nach der Schlacht bei Tiperslo den Vertrag geschlossen hatten, daß kein Theil den Feinden des andern Vorschub leisten sollte, und der Gedanke, daß aller

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Wilhelm Heinrich Kolster: Geschichte Dithmarschens. Nach F. C. Dahlmanns Vorlesungen im Winter 1826. Wilhelm Mauke, Leipzig 1873, Seite 281. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_Dithmarschens_Kolster_1873.pdf/300&oldid=- (Version vom 14.6.2018)