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liegt, gegen Wörden vorgedrungen wäre, wenn er hier nicht Widerstand gefunden hätte. Es waren vielleicht die vor ihm flüchtenden Bewohner der Hamme und Zuzug aus der Norderhamme, über die es ihm gelang, einen Sieg zu gewinnen, aber nicht den Widerstand zu brechen. Erfochten muß der Sieg sein auf dem Fleck des jetzigen Heide, das damals noch nicht existirte, aber der Eiderarm, der jetzt durch den Dellweg ersetzt ist, deckte die Zurückweichenden; doch Gerhard führte rasch einen zweiten Streich. Er wußte, daß bei Hemmingstedt, kurz vor der Einmündung in die Elbe dieser Eiderarm eine Furth habe, rückte von Heide die drei Viertelmeilen nach Hemmingstedt ab und erstürmte hier die Landwehr, d. h. den Uebergang über die Eider. Erschreckt warf sich ein Theil der zersprengten Dithmarschen in die Kirche von Wörden, entrann aber durch einen todesmuthigen Ausfall der Vernichtung.

Ist es richtig, mit dem Fortsetzer des Albert von Stade die Ereignisse dieses Krieges auf zwei Tage zu vertheilen, so muß dieß am 6. September geschehen sein, da der siebente als der Unglückstag feststeht. Auch Neocorus scheint an zwei Tage zu denken. Gerhard schlug in Hemmingstedt sein Lager auf. Aber in der Morgenfrühe schlich sich Schaar auf Schaar aus dem Lager und warf sich wie eine raubgierige Meute ohne Ordnung und Vorsicht auf die reichen Dörfer; man versäumte die Deckung des Rückzuges, der nur durch die Furth möglich war. Eine von Büsum rechtzeitig herbeieilende Verstärkung setzte die für Altar und Heerd streitenden Dithmarschen in den Stand, den Rückzug abzuschneiden, und der Tag endete mit der Vernichtung derer, die das Land gewinnen wollten und nun das gewonnene mit ihren Leibern bedeckten.




Empfohlene Zitierweise:
Wilhelm Heinrich Kolster: Geschichte Dithmarschens. Nach F. C. Dahlmanns Vorlesungen im Winter 1826. Wilhelm Mauke, Leipzig 1873, Seite 276. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_Dithmarschens_Kolster_1873.pdf/295&oldid=- (Version vom 14.6.2018)