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Zunächst einige Worte zur Erklärung des Textes: V. 2 ist genam = einnahm. Eine Schwierigkeit des Verständnisses macht V. 14. Offenbar bildet 11–16 einen Satz, der mit einer starken Interpunktion schließen muß, aber leider an einem unheilbaren Fehler laborirt: durchfestend durch; da aber die Handschrift im mecklenburgischen Staatsarchiv zu Schwerin Original ist, so darf man an eine Conjectur nicht denken. Einleuchtend ist, daß das zweite durch final sein muß. snaben ist ein mittelhochdeutsches Wort und bedeutet straucheln, stürzen, fallen, wird oft von Roß und Reiter gebraucht, auch allgemein von der Niederlage eines Heeres (vgl. Mittelhd. Wörterbuch von Benecke und Müller). Der Sinn ist also: Dithmarschen ist mit breiten Gräben durchzogen, um ein Straucheln und Stürzen der Gesammtheit seiner Feinde zuwege zu bringen. Störend ist das durchfestend; untadelig wäre durchzogen; auffallend ist auch der unbestimmte Artikel: durch eyn snabin. – V. 45 heißt vor der letze = vor der äußeren Vertheidigung, Enceinte. V. 52 heißt der Conjunctiv sy enbrechtins im zur ungehabe, ohne daß sie ihn in Ungelegenheit brächten. (Freundliche Mittheilung[WS 1] von Prof. Müllenhoff.)

Sehen wir uns nun hier an einer ganz unverdächtigen Quelle nach dem historischen Gewinn um, so finden wir zunächst, daß der Unglückstag der Vorabend von Mariä Geburt 1319 war, wie bereits oben gesagt, daß es ein Streit Gerhards war, daß Herzog Heinrich ihm mit großem Heere zu Hülfe gezogen war; in seinem Gefolge werden die Edeln von Gutzekow, Grafen von Wonstorf und die Herren von Ghemmen genannt. Dithmarschen wird beschrieben als Insel und Eiland, voll Brüchen (Morästen) und weiten Gräben, von überraschendem Reichthum, der zur Niederlassung einlud. – Die erste Bezeichnung ist eigenthümlich, und ich überrede mich schwer, daß damit auf die Lage hinter der Holstenau und Giselau hingewiesen ward: es wird nichts anderes sein, als die Hindeutung auf die Insel, auf welcher die Kirchspiele Wörden, Weslingburen und Neukirchen lagen, die durch einen Eiderarm vollständig vom Festlande getrennt war, an dessen Stelle jetzt der Dellweg getreten

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Mittheiluug
Empfohlene Zitierweise:
Wilhelm Heinrich Kolster: Geschichte Dithmarschens. Nach F. C. Dahlmanns Vorlesungen im Winter 1826. Wilhelm Mauke, Leipzig 1873, Seite 265. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_Dithmarschens_Kolster_1873.pdf/284&oldid=- (Version vom 14.6.2018)