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seinen Landsleuten unterdrückt, den holsteinischen theilweise von seinem Landesherrn geächtet und vertrieben. Sind das nicht Verhältnisse, welche zu einem sorgfältigen Zurechtlegen auffordern, und drängen auch einmal, sich zu bemühen, ein wenig zwischen den Zeilen zu lesen?

War es nicht zu kühn, zu vermuthen, daß das 1283 einseitig von Rathgebern und Landesgemeinde geschlossene Bündniß von Dithmarschens Seite gegen den dithmarsischen Adel gerichtet war; dann war es Lohn für geleistete oder zugesicherte Unterstützung des Grafen, bestimmt dem dithmarsischen Adel die Hoffnung auf einen Rückhalt an dem Grafen wie an dem Erzbischof abzuschneiden. Aber auch dieser blieb demselben gegenüber nicht unthätig: es gab der holsteinischen Grafen mehr, und die Einigkeit unter ihnen war nicht übergroß. Hatte die Landesgemeinde eine Stütze an Graf Gerhard gefunden, so suchte und fand sie der Adel bei Gerhards Vettern Heinrich und Johann, die freilich nicht wie Gerhard des Landes unmittelbare Nachbaren waren (Kiel, Segeberg, Neumünster, Bornhöved, Elmshorn und Krempe waren ihre Städte, während Gerhard Rendsburg und Itzehoe besaß). Er bot für die Hülfe einen hohen Preis: Vereinigung Dithmarschens mit Holstein, brachte den Standesinteressen das Landesrecht zum Opfer, denn Neocorus (I, 352) bezeugt, daß die beiden gedachten Grafen gegen die Verträge nach der Schlacht bei Bornhöved Ansprüche auf Dithmarschen erhoben, und die Sache erschien so drohend, daß Erzbischof Giselbert sich beeilte, die Dithmarschen mit Truppen zu unterstützen. Die Entdeckung dieser Umtriebe aber rief einen Sturm des Unwillens hervor und wurde vernichtend für den Adel. Beziehen sich darauf vielleicht die Worte Heinrich Ranzau’s in der Descriptio Chers. Cimbr. (Westph. Mon. ined. I, 45): „Porro cum Adolphus III Holsatiae comes A. C. 1186 eos sibi subjectos teneret, illi (Thetmarci) a fide praestita recedentes odio Comitis omnem nobilitatem, quae multa eo loco erat, ejecerunt“? Jedenfalls ist es eine Reminiscenz, indem er Adolf III. und das Jahr 1186 mit Heinrich und 1286 verwechselte. Jedenfalls war die Aufhebung

Empfohlene Zitierweise:
Wilhelm Heinrich Kolster: Geschichte Dithmarschens. Nach F. C. Dahlmanns Vorlesungen im Winter 1826. Wilhelm Mauke, Leipzig 1873, Seite 254. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_Dithmarschens_Kolster_1873.pdf/273&oldid=- (Version vom 14.6.2018)