Seite:Geschichte Dithmarschens Kolster 1873.pdf/197

Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

wünschte eine Entschädigung an deutschem Land und Leuten, König Christian aber wünschte den nordischen Nachbar nicht auch im Süden an den Grenzen seines Reiches zu sehen. So ward er, einst Vorkämpfer der Protestanten, durch die Macht der Verhältnisse, zu einem principiellen Gegner der protestantischen Schutzmacht, zu einem Partheigänger des Kaisers, den er einst bekämpft hatte. Schweden empfand diese Bekämpfung seiner Interessen auf das bitterste, und Dänemark sah sich plötzlich im Krieg mit Schweden, selbst ehe derselbe noch einmal angekündigt war. Im Anfang des December 1643 fiel der gewaltige Feldherr dieser Macht, Leonhard Torstensohn, in Holstein ein, durchzog Schleswig und nahm in Jütland seine Winterquartiere. Da ergriff Alles ein unermeßlicher Schrecken, die Bewohner flüchteten nach allen Seiten und, so wie nichts zum Widerstand gerüstet war, fielen alle festen Schlösser und Punkte in Feindes Hand: Pinneberg, Itzehoe, Rendsburg. Auch Hanerau ward besetzt, nur Glückstadt und Crempe, letzteres unter dem tapfern Commandanten Steinwerden, widerstanden. So lag Süderdithmarschen zwischen zwei festen Plätzen beider Nationen mitten inne, der Schauplatz der beiderseitigen Streifzüge, von tausendfachen Kriegsleiden heimgesucht. Im ersten Augenblick suchte ein dänischer Oberst Boye Brodersen, Dithmarscher von Geburt, mit 200 Mann die Grenze der Heimath zu decken, und hatte sich deshalb bei Grünenthal gelagert. Aber bald erkannte er das Unhaltbare seiner Stellung; doch als er sich weiter zurückziehen wollte, überfielen von Hanerau aus schwedische Reiter unter Oberst Mortaigne die nicht in bester Ordnung Abziehenden. Brodersen fiel mit 27 Mann, der Rest ward gefangen genommen, das Land bis Meldorf besetzt, der Ort bedroht und mußte sich durch große Lieferungen von weiteren Feindseligkeiten loskaufen. Der Landvogt Wasmer war eben gestorben und erst im nächsten Jahre langte sein Nachfolger Nicolaus Bruhn der Jüngere daselbst an. In Norderdithmarschen folgte zugleich auf J. Vieth der Dr. Johannes Boye als Landvogt. Der schwedische Oberst Lohusen befestigte Hanerau und hoffte so das Land zu beherrschen, um soviel mehr, als die Schweden auch durch die Wilstermarsch

Empfohlene Zitierweise:
Wilhelm Heinrich Kolster: Geschichte Dithmarschens. Nach F. C. Dahlmanns Vorlesungen im Winter 1826. Wilhelm Mauke, Leipzig 1873, Seite 178. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_Dithmarschens_Kolster_1873.pdf/197&oldid=- (Version vom 14.6.2018)