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anhielt und die Elbe bis Brockdorf und St. Margarethen mit Eis bedeckte, so daß schwedische Reiter aus dem bremischen Gebiete über das Eis herüber kamen, hier im Lande des Friedens zu plündern und zu marodiren.

So waren also diese Jahre partiellen Friedens für Dithmarschen höchst bedeutsam; aber wo Deutschland an allen Enden von den Flammen des schrecklichsten Krieges wiederleuchtete, konnte ein solcher Friede nur ein zeitweiliger sein. Deutschland schien aus den Fugen weichen zu wollen: immer neue Phasen des Krieges stiegen empor, und immer die eine noch schrecklicher als die andere. Wie ganz anders sah es aus zwei Jahre nach Abschluß des Lübecker Friedens, als die Flammen von Magdeburg wie eine düstere Brandfackel emporstiegen, wie anders zwei Jahre später, als Gustav Adolf seine Heldenlaufbahn beschlossen hatte, und wieder zwei Jahre später, nach der Schlacht bei Nördlingen. So konnte auch hier trotz des abgeschlossenen Friedens kein Friede sein, Fürsten und Land sich dem Gefühl nicht entziehen, nur augenblicklich außer dem Bereich des Krieges zu sein. Die ersteren sahen sich zu neuer Aushebung von Truppen genöthigt, anfangs wenige, doch wurden ihrer bald mehr. Auch in beiden Dithmarschen wurden Truppen ausgehoben, und die Zeichen und Erscheinungen, welche Jedermann bald hier bald dort wahrnahm und von denen alle Chronisten voll sind, zeigen, in welchen Erwartungen und Bildern das Volk lebte: es sagte allen eine Ahnung, daß auch diesen Landen noch Schlimmes bevorstehe. Als der fortdauernde Krieg sich 1638 wieder des Landes Grenzen näherte und sich nach Mecklenburg versetzte, wohin Graf Gallas die kaiserliche Armee geführt hatte, da galt es, das Land zu decken, und der König vereinigte 13 Regimenter zu Fuß und musterte die in Holstein und Dithmarschen ausgehobenen bei Itzehoe. Es zeigt sich kriegerischer Eifer in Dithmarschen, ein Fähnlein Freiwilliger von 370 Mann stößt zum königlichen Heer und deckt mit ihm bei Oldesloe das Land. Das hatte nachher Einquartierungen zur Folge, die nicht allemal willkommen waren, denn der lange Krieg hatte den Krieger roh und wild gemacht. Als die erste Einquartierung

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Wilhelm Heinrich Kolster: Geschichte Dithmarschens. Nach F. C. Dahlmanns Vorlesungen im Winter 1826. Wilhelm Mauke, Leipzig 1873, Seite 176. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_Dithmarschens_Kolster_1873.pdf/195&oldid=- (Version vom 14.6.2018)