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gesucht und erhalten hatte; aber von Einquartierungslast und dem willkürlichen Hausen der Generale litt er ebenso wie der Süden und blieb wie dieser besetzt. Der König bedrohte freilich zu Schiffe überall die Stellungen, verstärkte Glückstadt in seiner Gegenwehr, dessen Besatzung auf einem glücklichen Ausfall Wilster besetzte, das in ihren Händen blieb, aber gänzlich ausgeplündert wurde. Endlich gelang es, den Frieden zu Lübeck zu Stande zu bringen, den 12. Juni 1629. Darnach zogen die kaiserlichen Besatzungen ab, nicht ohne allerlei Insolenzen, wie es denn in Heide, wo sich die Abziehenden auf Bauerpferden beritten zu machen gedachten, beinahe zu einem ernstlichen Kampfe gekommen wäre.

Dieser Krieg war für Dithmarschen, abgesehen von den materiellen Verlusten, von gar wichtigen Folgen gewesen. Christian IV. verzieh es dem Herzog, seiner Schwester Sohn, nicht, daß er ihn in der Stunde der Noth verlassen und mit dem Kaiser Frieden geschlossen hatte: die feindselige Spannung blieb zwischen den beiden Linien und wirkt von hier an mächtig auf die verschiedene Gestaltung der einzelnen Verhältnisse ein. Süderdithmarschen strafte der König dafür, daß es dem Kaiser Treue gelobt hatte, mit einer außerordentlichen Steuer von 5000 Thalern.

Die Aufzeichnungen aus der Dithmarscher Geschichte werden für die nächsten Jahre sparsam und beschränken sich auf Witterungsberichte und dergleichen, und doch ist es eine hochwichtige Periode. Aber es giebt Ereignisse, deren Tragweite der Chronist nicht ermessen kann, Dinge, die er nicht für dauernd erachtet und zu erwähnen verschmäht und die gleichwohl durch ihre Wucht die Weltgeschichte bauen, und über deren Verlauf man am Schlusse vor allem Auskunft wünscht. Da bleibt denn freilich dem Geschichtsschreiber nichts übrig, als die überlieferten vereinzelten Thatsachen durch die nothwendigen Mittelglieder zu ergänzen und so ein Bild der vergangenen Thaten zu construiren.

Wie es in Dithmarschen aussah nach der wüsten Wirthschaft einer Soldateska, welche gekommen war in dem Glauben, zu

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Wilhelm Heinrich Kolster: Geschichte Dithmarschens. Nach F. C. Dahlmanns Vorlesungen im Winter 1826. Wilhelm Mauke, Leipzig 1873, Seite 166. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_Dithmarschens_Kolster_1873.pdf/185&oldid=- (Version vom 14.6.2018)