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was ihm freilich wenig half. Am 31. Juli ging Wallenstein bei Havelberg über die Elbe und am 31. August stießen Tilly und Herzog Georg von Lüneburg in Hamburg zu ihm. König Christian hatte gegen sie ein allgemeines Aufgebot erlassen, hielt bei Bramstedt eine Musterung über dasselbe und einige geworbene Truppen unter Graf Thun und Jürgen von Ahlefeld. Einige tausend Mann rückten nach Langenhorn und Ottensen vor, zerstreuten sich aber bei der ersten Annäherung der Kaiserlichen, doch warf sich Ahlefeld nach Crempe, um die Festung zu halten: Pinneberg, Elmshorn, Steinburg, Itzehoe, Wilster fielen sofort den Kaiserlichen in die Hände; Glückstadt, Crempe und Breitenburg hielten sich. Auf das letztere warf sich Wallensteins ganze Wuth und die Tapferkeit des braven schottischen Obersten Dunbar konnte es nicht halten; doch reizte der Widerstand den Grimm des Siegers, der die ganze Besatzung niedersäbeln ließ, den 29. September. Crempe und Glückstadt, wohin sich der König mit dem tapfern M. Ranzau geworfen hatte, widerstanden.

Nach der Einnahme von Breitenburg kamen auch Truppen durch die Wilstermarsch nach Dithmarschen. Ein Oberst Bodendikes setzte sich mit seinem Regiment (Colloredo) in Brunsbüttel fest, während das Regiment Altringer sich in Meldorf einquartierte. Bodendikes ließ dort eine Schanze aufwerfen, requirirte Bauern dazu und Wallenstein erschien persönlich, sie zu besichtigen. So blieb dem König nur der Wasserweg frei, auf dem er sich über Büsum, Schülp und Lunden und von dort nach Rendsburg begab. Die Fahrt war nicht ohne persönliche Gefahr: bei der Annäherung des Bootes fürchtete man den Feind, zündete die Feuersignale an und das Aufgebot von Weslingburen eilte mit so stürmischer Eile herbei, Jung und Alt, Mann und Weib, daß der König fast erstochen wäre ohne die Entschlossenheit der Christina Munk, die sich dazwischen warf mit dem Ruf: „Stich nicht, es ist der König von Dänemark.“ Dem König gefiel dieser kriegerische Eifer, mit welchem man gegen den vermeintlichen Feind ins Feld rückte, gar sehr und er äußerte, daß er Respekt bekommen habe vor den

Empfohlene Zitierweise:
Wilhelm Heinrich Kolster: Geschichte Dithmarschens. Nach F. C. Dahlmanns Vorlesungen im Winter 1826. Wilhelm Mauke, Leipzig 1873, Seite 164. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Geschichte_Dithmarschens_Kolster_1873.pdf/183&oldid=- (Version vom 26.6.2018)