Seite:Georg Muck - Geschichte von Kloster Heilsbronn (Band 3).pdf/274

Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

so würde zuverlässig eine heilsbronner Aufschreibung darauf hinweisen, insonderheit einer der Todtenkalender; allein keiner derselben gedenkt eines Welserischen Jahrtages. Nichtheilsbronnischen Aufschreibungen zufolge focht Julius Welser während eines Kreuzzuges im gelobten Lande und mit dem Kaiser Rudolf von Habsburg und dem in Heilsbronn begrabenen Burggrafen Friedrich III. in Böhmen. Der Todtenschild zeigt ein Deutschordenskreuz und das Welserische Wappen, eine Lilie. Dem Kolorit nach zu urtheilen, wurde der Schild nicht um 1278, sondern erst Jahrhunderte später gemalt. Unbekannt ist, wer ihn malen und gerade in Heilsbronn aufhängen ließ, obgleich dort der Ritter nicht begraben, auch sein Jahrtag nicht gefeiert wurde. In Preußisch-Elbing und in der Deutschordenskirche zu St. Jakob in Nürnberg sollen Welserische Todtenschilde vorhanden sein, welche mit dem heilsbronnischen völlig konform sind. Im Jahre 1731, als Hocker seinen Antiquitätenschatz (s. dort S. 49) schrieb, hing der in Rede stehende Schild bereits in der heilsbronner Kirche.


B. Wie das Innere der Kirche in den Jahren 1709 bis 1771 umgestaltet und verunstaltet wurde.[1]

Der östliche Ausbau der Kirche von 1284 und der südliche von 1434 hatten steinerne Deckgewölbe, das Schiff und die Ritterkapelle aber flache Decken. Um Gleichförmigkeit herzustellen, wurden während der ersten Fürstenschulperiode über dem Schiff und der Ritterkapelle Brettergewölbe angebracht. Daß diese Umgestaltung vom Übel war, wird nachher berichtet werden. Altäre, Bilder etc. blieben nach der Klosterauflösung meist an ihrer ursprünglichen Stelle; Kanzel, Stühle etc. etc. aber wurden anders gestellt, wie man es eben für den protestantischen Ritus und die Fürstenschule für zweckdienlich hielt. Tilly’sche Reiter erbrachen und beraubten zwei Grüfte, rohe Fürstenschüler beschädigten viele Kunstgegenstände; weitere Beschädigungen oder Umgestaltungen erlitt die Kirche im Innern nicht. Aber Vieles in und an ihr


  1. Vgl. Stillfried S. 72.
Empfohlene Zitierweise:
Georg Muck: Geschichte von Kloster Heilsbronn (Band 3). C. H. Beck’sche Buchhandlung, Nördlingen 1880, Seite 272. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Georg_Muck_-_Geschichte_von_Kloster_Heilsbronn_(Band_3).pdf/274&oldid=- (Version vom 31.7.2018)