Seite:Georg Muck - Geschichte von Kloster Heilsbronn (Band 1).pdf/197

Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

ein Pfeiler mit einer Mariensäule und der Über- und Unterschrift: A. Dom. 1479. Petrus Abbas.

Wegel ließ außer den beschriebenen größeren Bauten auch kleinere in Heilsbronn aufführen, darunter ein zwei Stock hohes Treppenhaus[1]: ein thurmartiges Gebäude in dem Winkel, welcher von der nördlichen Außenmauer des Ostchores und vom Querschiffe der Kirche gebildet wird. Dieses Treppenhaus war nicht von Außen, sondern nur vom Querschiffe der Kirche aus, von Westen her, durch eine kleine, später vermauerte Thür zugänglich. Der Thür gegenüber stand ein Altar, der silberne genannt. Neben diesem führte eine Treppe hinauf zu einer Thür, durch welche man zur Emporkirche des Querschiffes und von da aus durch eine Thür in der nördlichen Giebelmauer über dem Gewölbe des Kapitols hin in das Schlafhaus gelangte. Das Treppenhaus wurde 1858 völlig niedergerissen und ein kolossaler Eckstein, worin der Name des Erbauers mit der Jahrzahl: P(etrus) A(bbas) 1473, eingehauen war, beseitigt und anderweitig zu einer Fensterbank verwendet. Gleiches Schicksal traf auch den Altarstein. Die bezeichnete Treppe führte zugleich in die, ohne Zweifel gleichfalls von Wegel erbaute Custodia. Diese war auf dem Tonnengewölbe des nördlichen Seitenschiffes am Ostchor über Nr. 135 erbaut und diente zur Aufbewahrung von Monstranzen, Kelchen etc. Nach Auflösung des Klosters diente sie als Karzer für unfügsame Gymnasiasten, welche nicht unterließen, ihre Namen an die Wände zu schreiben, wie sich im Jahre 1858 beim Niederreißen dieser Baute ergab. Durch die Entfernung derselben wurde die Außenmauer der Kirche an dieser Stelle bloß gelegt, wobei sich ergab, daß man zu Wegels Zeiten, wie noch jetzt, die Außenmauern mit einem steinfarbigen Ölanstrich überzog und auf diesen Fugen mit weißer Farbe malte, um der Mauer das Ansehen einer Quadermauer zu geben. In späterer Zeit, als man weder einer Custodia noch eines Karzers mehr bedurfte, transferirte


  1. im Grundriß durch die braune Umfassungslinie bezeichnet bei Nr. 167. Vgl. Stillfried S. 56.
Empfohlene Zitierweise:
Georg Muck: Geschichte von Kloster Heilsbronn (Band 1). C. H. Beck’sche Buchhandlung, Nördlingen 1879, Seite 181. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Georg_Muck_-_Geschichte_von_Kloster_Heilsbronn_(Band_1).pdf/197&oldid=- (Version vom 31.7.2018)