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In den Jahren 1470 bis 73 Werke von Chrysostomus, Terrenz, Livius, Plinius, Strabo, Sueton, Silius Italicus, Gellius, Cicero (Reden), Tacitus (über die alten Deutschen), Boccaccio, auch eine deutsche Bibel (biblio tewtonica ligata), jedenfalls eines der ersten Erzeugnisse der Druckkunst. In dieser Weise fuhr er fort, alljährlich gedruckte Bücher anzuschaffen. Dabei fuhr er aber auch fort, noch ungedruckte Werke abschreiben zu lassen oder Manuskripte zu kaufen. Für Werke von Albertus zahlte er 58 fl.; für Werke von Seneka, Petrarka, Quintilian und Arretinus 24 fl. Er kaufte in einem Jahre Pergament für 38 fl. zu Abschriften von Werken von Quintilian, Cassiodor, Hieronymus, Wilhelm Parisiensis und Nikolaus de Lira. Letzterer war Lehrer der Theologie in Paris, ein Mönch, in Heilsbronn besonders geschätzt, da heilsbronner Mönche bei ihm in Paris ihre höheren Studien machten. In den Rechnungen des Abts finden sich stets Ausgaben für Zinnober und Lasurblau (rubrica et lazura) zur Fertigung der Manuskripte, dann für Klausuren, Schlösser und Ketten zu den Büchern.

Nach Vollendung des Kreuzganges und der großen Bibliothek ließ Wegel 1472 bis 74 das „Siechhaus[1], Infirmitorium“ mit der Kapelle umbauen. Das in den Beitr. S. 25 beschriebene Infirmitorium ist zwar noch vorhanden, aber völlig umgestaltet. Es war das Krankenhaus lediglich für erkrankte Mönche, im Spitzbogenstyl gebaut, hatte ein Refektorium (Speisezimmer für Kranke), einen Krankensaal, noch eine kleine Piece (stubella) und eine Kapelle (St. Lorenzkapelle). Wegel ließ eine größere Piece ein- oder anbauen. Der bauführende Steinmetz war Meister Heinrich Ecarius. Von den Malereien, welche der Abt im Refektorium und in der neuen Piece (nova stuba infirmitorii) fertigen ließ, wird wohl nichts mehr zu finden sein. Ein spitzbogiger Säulengang, dessen Ansätze noch sichtbar sind, führte unter dem „Dormitorium“ durch und schloß sich an den vordern Kreuzgang an. Als nach der Klosterauflösung der Markgraf Georg Friedrich die neue Abtei zu


  1. Siehe Situationsplan Tab. II. Anders Stillfried S. 86.
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Georg Muck: Geschichte von Kloster Heilsbronn (Band 1). C. H. Beck’sche Buchhandlung, Nördlingen 1879, Seite 179. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Georg_Muck_-_Geschichte_von_Kloster_Heilsbronn_(Band_1).pdf/195&oldid=- (Version vom 31.7.2018)