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er sich in freier, thätiger Weise für das Gute entschieden hatte, im bewußten Gegensatz gegen das Böse, aufsteigen in der Heiligung und so auch leiblich aus dem rein natürlichen in einen unsterblichen, verklärten Zustand übergehen, also an Leib und Seele Gott ähnlich werden.

 Er mußte aber notwendig einen Durchgangspunkt haben, wo er sich freithätig für das Gute und gegen das Böse zu bleibender Lebensrichtung entschied. Dieser Entscheid liegt eben auf dem pneumatischen Gebiet. Im Fall der sittlichen Bewährung wäre er, je länger je mehr, ein pneumatischer Mensch geworden. Dann wäre er im Paradiese geblieben, und der Baum des Lebens mit seinen Früchten wäre ihm nicht bloß Lohn, sondern Mittel der stetigen Erneuerung und Verjüngung des Leibes und der Seele geworden. Gen. 3, 22.

 Der Baum der Erkenntnis Gutes und Böses, resp. das betreffende Verbot, ist die dem ersten Menschen von Gott verordnete Prüfung. Es mußte ihm die Möglichkeit geboten sein, das Böse zu thun. Es war ihm ein Grenzpfahl gesteckt für sein Machtbereich, und er sollte sich dieser Grenze, die nicht ungestraft überschritten werden konnte, bewußt werden. Er sollte seine Freiheit recht gebrauchen lernen, und so Festigkeit im Guten gewinnen, auch in der Freiheit bestehen, was allein durch beständigen Gehorsam möglich ist. Denselben guten Zweck hat auch die Zulassung des Versuchers im Paradies. Man sieht, gottähnlich war der Mensch geschaffen, gottähnlich sollte er bleiben, gottähnlich sollte er werden. Was ihm natürlich war, sollte sittliche Errungenschaft werden, die Gottähnlichkeit also einesteils Gabe und Geschenk und andernteils Produkt der freien Thätigkeit. Das war des Menschen ursprüngliche Bestimmung, das ist sie noch.


II.
Der Verlust des göttlichen Ebenbildes.

 Der Mensch durch seine freie That des göttlichen Ebenbildes verlustig, verfällt der Sünde, dem Tode und der Gewalt des Teufels.


§ 17.
Die gottgewollte Stellung des ersten Menschen zum Bösen und die wirklich gewordene.

 Der Mensch sollte sich bewähren. Deshalb mußte er in die Prüfung. Er mußte seine Schranke als endliches Wesen kennen lernen und sollte sie einhalten. Diese Schranke ist ihm von Gott