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welche sich in der evangelischen Kirche herausgebildet haben, aber auch von der katholischen Kirche adoptiert worden sind.

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 Die antike Form der Gemeinschaften sind die Orden. Sie sind freie Vereinigungen von Christen zu besonderen Zwecken, aber derart, daß sie nach einer gemeinsamen, kirchlich bestätigten Regel (Haus- und Lebensordnung) für Lebenszeit zusammenwohnen. Der Zweck ist entweder bloß Förderung des eigenen religiösen Lebens (Askese, Leben der Beschaulichkeit) oder die Förderung des religiösen, kirchlichen Lebens bei anderen (Schulen, Krankendienst, wissenschaftliche Beschäftigung, Predigten, Mission, Pflege der Fremden, Armen etc.). Aus diesem Bedürfnis hat sich in der alten Kirche und bis in die neueste Zeit herein eine außerordentliche Mannigfaltigkeit solcher religiöser Orden (religiones), männliche und weibliche, gebildet. Die Vereinigung der alten Einsiedler (Paulus von Theben, Antonius u. a.), welche einzeln für sich und doch in gewisser Gemeinschaft miteinander, zwar ohne Regel, aber als Asketen lebten, sind die Vorgänger des späteren Mönchs- und Klosterlebens. In Ägypten ist der Ursprung dieser Erscheinung zu suchen; hier finden sich auch die ersten Klöster, da sich mehrere Männer zu einer Gemeinschaft vereinigten und nach einer gemeinsamen Regel lebten (Regel des Pachomius; wichtig die spätere des Basilius des Großen). Die Klosterinsassen waren ursprünglich Laien, später aber erhielten sie aus ihrer Mitte eigene Geistliche. Durch Martin von Tours wurde das Mönchstum auch ins Abendland verpflanzt. Die Askese ist die eigentliche Lebensform dieser Gemeinschaften; Ehelosigkeit, gänzliche Armut (Besitzlosigkeit) und unbedingter Gehorsam gegen die Regeln und die Oberen der Gemeinschaft waren die in der Natur der Sache begründeten Bedingungen eines solchen Gemeinschaftslebens, die später durch Benedikt von Nursia 529 zu unverbrüchlichen Gelübden erhoben wurden. – Anfangs nährten sich die Mönche von ihrer Hände Arbeit, später wurden die Klöster reich und üppig. Die bekanntesten Orden sind: Benediktiner, Cluniacenser, Karthäuser, Cistercienser (Bernhardiner), Prämonstratenser, Dominikaner, Franziskaner, Karmeliter, Augustiner, mit verschiedenen weiblichen Parallelorden. Man hat es hier mit Bildungen zu thun, die eine reiche und große Geschichte haben und einen Hauptfaktor im Leben der damaligen Kirche ausmachten, die auch ihre Herrlichkeit gehabt haben. Wenngleich zugegeben werden muß, daß von Anfang an Einseitigkeit und unevangelische Grundsätze sich geltend machten, so haben