Seite:Friedrich Bauer - Christliche Ethik auf lutherischer Grundlage.pdf/312

Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

Apostelkonzil hat, Akt. 15. Es gilt, auf diesem Gebiet die nötige Weitschaft zu behaupten und der Freiheit und der geschichtlichen Entwickelung ihr Recht zu lassen, dabei aber an den göttlich gegebenen Grundlagen der Verfassung unverbrüchlich festzuhalten, sowie die göttlichen Ordnungen und Weisungen, die uns Gott gibt, zu würdigen, und demnach möglichst auf das richtige Ziel hinzusteuern. Gott muß ja freilich das Beste dabei thun und zu einer richtigen und biblisch-evangelischen Form der Verfassung verhelfen.

.

 f) Die Prüfung und Ordination der Geistlichen. Daß ein Geistlicher rücksichtlich seiner Befähigung und Würdigkeit geprüft wird, wie es bei jedem bedeutenden und verantwortungsvollen Amt geschieht, liegt in der Natur der Sache. Auch ergibt sich das wohl von selbst, daß ein Geistlicher, eben weil er ein heiliges Amt bekleiden soll, dazu feierlich ordiniert wird. Wiewohl beides an sich höchst zweckmäßig ist und aus innerer Notwendigkeit hervorgeht, so hat es doch auch noch die ausdrückliche göttliche Sanktion durch apostolische Anordnung, 2. Tim. 2, 2: „Das befiehl treuen Männern, die tüchtig sind, andere zu lehren,“ 1. Tim. 5, 22: „Die Hände lege niemand bald auf“ (Ordination). Von den Diakonen siehe Akt. 6, 6 und 1. Tim. 3,10: „Dieselben lasse man zuvor versuchen“ (von der Probezeit). 1. Tim. 3, 1-13 und Tit. 1, 5–9 sind die Erfordernisse zum Beruf der Geistlichen, der Presbyter und Diakonen angegeben, die sich in zwei Punkten zusammenfassen lassen: in die Würdigkeit des Wandels und in die Lehrhaftigkeit. Wenn man will, kann man noch einen dritten Punkt aufzählen: Die Neulingschaft im Christentum muß bei der Wahl vermieden werden. Daher soll jeder junge Diener erst seine Probezeit durchmachen als Hilfsgeistlicher bei einem bewährten Diener des Worts. Es ist nach den apostolischen Kanones nicht gelehrte Bildung durchweg nötig, so wünschenswert sie auch ist und so viel sie hilft zur Lehrhaftigkeit, wiewohl die letztere keineswegs mit der gelehrten Bildung gegeben ist. Aber erzogen und gebildet zum Geistlichen muß jeder werden, der in diesen Stand eintreten will. Nur wäre zu wünschen, daß das Hauptgewicht auf die Punkte gelegt werde, die der Apostel als solche bezeichnet. Die Befähigung zum Lehrer vorausgesetzt, ist die Virtuosität im sittlichen Wandel menschlicherseits das hauptsächliche Förderungsmittel im Amt. Je reicher an Tugenden der Hirte ist, desto lieber nimmt aus seinem Mund das Volk das Evangelium an. „Der Hirten Wandel ist des Volkes Evangelium,“