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selber. Ein anderer Einwand ist der, als ob durch den zu häufigen Genuß des heiligen Abendmahls der Mensch gleichgültig und dafür abgestumpft werde. Wiewohl eine Wachsamkeit über sich nötig ist, so zeigt die Erfahrung einmal, daß eine kürzere Vorbereitung hinreiche und daß man durch Übung die Fähigkeit bekomme, sich schneller in die nötige Verfassung zu setzen, ferner, daß man bei einem gesammelten und asketischen Leben nicht nötig habe, sich mit großen Anstrengungen von der Welt und ihren Umarmungen loszureißen, sondern daß man mehr in steter Bereitschaft bleibt. Die Erfahrung zeigt auch, was man bei der göttlichen Natur des Sakraments voraussetzen muß, daß sich dasselbe nicht abnütze durch häufigen Gebrauch, sondern daß man je länger je mehr die Majestät und Größe dieses göttlichen Geheimnisses anbetend gebrauchen lerne und wahrnehme, wie jedesmal durch die Himmelsspeise eine neue Fülle von Kraft in Leib und Seele einziehe, die der entbehrt, der selten zum Sakramente kommt. Auf diese Weise wird man heimisch im himmlischen Heiligtum, lernt seine Sinne und Kräfte konzentrieren aufs Göttliche und bekommt dadurch Stärke genug für den Kampf mit Sünde, Welt und Teufel. Es ist ja die Natur der Speise, daß sie regelmäßig und oft genommen wird. Die Seele braucht immer neue Nahrung und Stärke zur Förderung des geistlichen Lebens. Außer dem Wort gibt der Seele nichts solche Kraft und Nahrung als das Sakrament des Altars. Der oftmalige Gebrauch ist der rechte und muß als Ziel aller Christen angesehen werden.

 Was macht man aber mit der oftmaligen Beichte, wenn man so oft zum heiligen Abendmahl geht? Die Hauptsache bei der Beichte ist die Absolution. Diese sich oft gläubig aneignen ist eine geistliche Übung, und es entspricht einem Bedürfnis der Seele. Die Füße werden dem Christen immer staubig vom Wandel über die Erde, und darum bedarf man der beständigen Reinigung und der wachsenden Gewißheit der Vergebung, des Friedens und der Freude im heiligen Geist, die aus dem gereinigten, gestillten, getrösteten und immerdar erneuerten Gewissen entspringt.

 Aber auch die Beichte hat ihren großen Segen, wenn sie oft wiederholt wird, und insonderheit die Privatbeichte. Man wird beim häufigen Genuß des heiligen Abendmahls begreiflicherweise mehr die allgemeine Beichte als die Privatbeichte brauchen. Aber durch fleißigen Gebrauch und durch passende Abwechslung beider wird das geistliche Leben sehr gefördert. Nicht nur daß man eine beständige Aufforderung