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bemüht sich, die Ansichten zweier Philosophen über ein gewisses Problem mit einander zu vergleichen. Aber in seiner Schläfrigkeit entschlüpft ihm die eine davon immer wieder und endlich hat er die Vision, daß er eine Auskunft von einem mürrischen Sekretär verlangt, der über einen Schreibtisch gebeugt ihn zuerst nicht beachtet und dann ihn unwillig und abweisend ansieht. Wahrscheinlich erklärt es sich aus den Versuchsbedingungen selbst, daß die so erzwungene Vision so häufig ein Ergebnis der Selbstbeobachtung darstellt.

Bleiben wir noch bei den Symbolen. Es gab solche, die wir erkannt zu haben glaubten, und bei denen es uns doch störte, daß wir nicht angeben konnten, wie das Symbol zu der Bedeutung gekommen war. In solchen Fällen mußten uns Bestätigungen von anderswoher, aus Sprachwissenschaft, Folklore, Mythologie, Ritual besonders willkommen sein. Ein Beispiel dieser Art war das Symbol des Mantels. Wir sagten, im Traume einer Frau bedeutet der Mantel einen Mann. Ich hoffe nun, es macht Ihnen einen Eindruck, wenn Sie hören, daß Th. Reik[WS 1] 1920 uns berichtet: „In dem höchst altertümlichen Brautzeremoniell der Beduinen bedeckt der Bräutigam die Braut mit einem besonderen ‚Aba‘ genannten Mantel und spricht dazu die rituellen Worte: ‚Es soll Dich fortan niemand bedecken als nur ich‘.“ (Nach Robert Eisler[WS 2]: „Weltenmantel und Himmelszelt.“[WS 3]) Wir haben auch mehrere neue Symbole aufgefunden, von denen ich Ihnen wenigstens zwei Beispiele berichten will. Nach Abraham[WS 4] 1922 ist die Spinne im Traum ein Symbol der Mutter, aber der phallischen

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Theodor Reik (Wikipedia).
  2. Robert Eisler (Wikipedia).
  3. Robert Eisler: Weltenmantel und Himmelszelt – Religionsgeschichtliche Untersuchungen zur Urgeschichte des antiken Weltbildes. Zwei Bände, München, C. H. Beck-Verlag, 1910. Band 1 Internet Archive
  4. Karl Abraham (Wikipedia).
Empfohlene Zitierweise:
Sigmund Freud: Neue Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Internationaler Psychoanalytischer Verlag, Wien 1933, Seite 33. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Freud_Neue_Folge_der_Vorlesungen_zur_Einfuehrung_in_die_Psychoanalyse_1933.pdf/33&oldid=- (Version vom 7.5.2021)