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 Diese piissima Antiphona et Oratio wird nun fast alle Tage in den Fränkischen Klosterkirchen, meistentheils im Chor, zu Zeiten auch auf dem Musikchor, abgesungen; und dieß ist noch gut, damit der Unsinn, der darin liegt, nicht so leicht bemerkt wird; denn der Gesang ist nur gar zu oft etwas Mechanisches. Die Carricatur der widersinnigsten Allegorie, so bald man diese bemerket, ist ganz unerträglich. Muß man denn recht absichtlich selbst in den Gott geweihten Tempeln das Gute so sehr mißbrauchen, die so edle Zeit, welche man zum wahren Gebete anwenden könnte und sollte, mit solchem elenden Geschrey verderben?

 So etwas ähnliches ließ sich auch noch von der alltäglichen Abbetung der Lauretanischen Litaney mit Grunde behaupten; denn was kann sich doch wohl ein noch so sehr versammelter Geistmann bey einem vas spirituale, rosa mystica, turris davidica, turris eburnea, domus aurea, andächtiges, Herzerhebendes, anzuflehen und zu bitten würdiges denken, oder was kann er sich aus diesen Wortspielen für einen Sinn zu seiner Erbauung, Besserung und Nachahmung oder Geisteserhöhung heraus exegesiren, wenn er auch ganz der orientalischen Bildersprache mächtig seyn sollte?

F–c–f–r.