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Zone, gefälligst in die Hütte meines Herrn einzutreten.“ Gewiß sehr höflich.

Dann führte mich Onkel Tom, immer in scheuer Sklavenhaltung, wobei ich Gelegenheit hatte, die graziösen Bewegungen seines schlanken Leibes zu bewundern, durch den Hof an die Hausthüre, wo ich mit einiger Befangenheit an der Klingelschnur zog, die aus Menschenzähnen gemacht war, so wie mich der Lämmergeier etwas genirte, der hier an der Stelle eines Hundes an der Kette lag, und mein Erscheinen mit eigenthümlichem Gaumenlaute markirte. Auch ein Cactus in vollster Blüthe starrte zu meiner Rechten, und die Vorhänge des Fensters zu meiner Linken waren aus Pantherfellen. Einige wahrscheinlich indianische Schriftzüge waren an die Thüre geschrieben, wobei ein Zeichen täuschend einem europäischen G-Schlüssel ähnlich sah. Ueber der Thüre, die merkwürdig schmal war, prangte ein Ornament von allerlei Waffen, Schädeln, Menschenknochen und Federn. Auch ein Halbmond aus massivem Golde war dabei, denn, wie ich später aus seinem Munde erfuhr, war mein Freund auch Inhaber von zwei Roßschweifen.

Der Fußboden war mit den seltensten Edelsteinen, Perlen, Muscheln und Goldstaub förmlich übersäet und ich kann wohl sagen, ich trat auf mindestens 25,000 Thaler. Der Nigger blieb immer in Sklavenhaltung.

Auf mein Läuten wurde mir von einer jungen Quadronin geöffnet, der ich im Vorübergehen einige Artigkeiten sagen wollte, als ich einen Strick am Halse fühlte, an dem ich ein Paar Schritte vorwärts gezogen wurde. Der Strick, wie mein Freund mir später mittheilte, war ein Lasso, der jedem Besuchenden umgeworfen wurde, was so viel als „Willkommen“ bedeutete. Als ich mich von dieser mir bisher völlig unbekannten Begrüßungsformel erholt, war die Quadronin bereits mit einem furchtbaren Satze und einem Freudengeschrei wie verschwunden. Ich stand mitten in einem hohen geräumigen Vorzimmer. Dieses war bis auf die Umkleidung einer mir gegenüber stehenden Thüre höchst einfach, nur schien es mir mit Galle angestrichen und der Fußboden mit Menschenblut gewichst. Doch eben diese Thüre nahm meine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch. Ich will nur vorübergehend eines grünen Storchs mit einem enormen Schnabel erwähnen, und eines Affen in Livrée, der eben das Zimmer fegte und mich höflichst ersuchte, einzutreten, als ich zufällig über mir ein Scheusal erblickte, das mich beben machte.

Dieses Scheusal hatte mein Freund, wie ich später erfuhr, zum Geschenke erhalten. Es war ein ausgestopfter australischer Häuptling von den Sandwichsinseln, der jetzt in furchtbarer Haltung auf einem von gebrannter Thonerde geformten Postamente über der Thüre thronte. Schade, daß der Häuptling etwas verbogen war; er soll durch den Transport bedeutend gelitten haben. Zu beiden Seiten hingen zwei

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Porträts auf indianisches Käsepapier gemalt, von denen ich nicht recht unterscheiden konnte, ob männlichen oder weiblichen Geschlechts; jedenfalls aber zwei höchst interessante Physiognomien, und gewiß ebenfalls Geschenke überseeischer Freunde, denn an dem Bilde links steckte eine Karte von Gerstäcker mit der Bleistiftanmerkung: Von meinem lieben Quickquick am Sakramento. Also!

In einem mit den seltensten Gegenständen völlig überstopften Zimmer empfing mich endlich mein Freund in ruhig-ernster Haltung, sich an einen Löwen lehnend. (Dieser Löwe ist bei ihm, was für uns Europäer ein Lieblingshund ist. Er heißt Ami.)

Ich muß gestehen, ich war bei diesem Anblicke mehr als befangen, und verneigte mich wie vor einem Vorgesetzten, blieb jedoch immer in bescheidener Entfernung von Ami.

Mein Freund betrachtete mich mit jener Gravität, welche Einem zur andern Natur werden soll, wenn man lange unter den Wilden gelebt hat. Sein Antlitz war edel wie sonst, Haar und Bart wirr, auch sah ich deutliche Spuren von Wüstenstaub. Er trug einen Schlafrock von Büffelleder, der durch einen ungeheuern californischen Goldklumpen zusammengehalten

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Herbert König: Ein Besuch bei meinem Freunde Gerstäcker. Braun & Schneider, München 1853, Seite 186. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Ein_Besuch_bei_meinem_Freunde_Gerst%C3%A4cker-Herbert_K%C3%B6nig-1853.djvu/2&oldid=- (Version vom 31.7.2018)