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VORBEMERKUNG

Diese Betrachtungen sind unter dem zwingenden Drange nach eigener Abklärung in den ersten Kriegsmonaten niedergeschrieben worden. Die erste Hälfte ist im November, der Schluß um die Jahreswende 1914 in der „Schweizerischen Rundschau" (Verlag von Hans v. Matt & Cie., Stans) erschienen.

Seither hat sich die allgemeine Lage, wenn auch nicht abgeklärt, doch wesentlich verändert. Italien ist gegen meine Voraussicht in den Krieg eingetreten. Wir sind ringsum von der Waberlohe umzüngelt. Neue Kriegsmethoden, neue suggestive Schlagwörter haben die Gegensätze auch unter den passiven Zuschauern noch gesteigert. Fliegerbomben, Giftgase und torpillierte Passagierdampfer legen sich schwer auf die Gerechtigkeitswage des Neutralen, und wie auf den mittelalterlichen Bildern des Seelenwägers Sankt Michael klammert oft sich an die sinkende Schale ein Teufelchen, das Widerspruchsteufelchen. Das Urteilsvermögen ist getrübter denn je, gegenseitige Aufklärungs- und Ueberzeugungsversuche haben sich endgültig als nutzlos erwiesen. Wir alle vergessen insbesondere manchmal, daß, was uns nicht gefällt, meistens den moralischen Entschuldigungsgrund der bona fides beanspruchen kann. Der Ruf nach Besinnung darf nie verstummen, nach Besinnung auf unsere Lage, unsere Interessen und auf die Aufgaben, die uns das Schicksal bestimmt hat.

Unser Schweizer Standpunkt ist durch die Weiterung der internationalen Verwicklungen nicht nur nicht verändert, sondern in dem dargelegten Sinne befestigt worden. Ich habe darum diesen vor Monaten geschriebenen Gedanken nichts beigefügt.

Stans im Juli 1915

Empfohlene Zitierweise:
Robert Durrer: Kriegsbetrachtungen. Rascher & Cie., Zürich 1915, Seite -. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DurrerKriegsbetrachtungen.pdf/5&oldid=- (Version vom 31.7.2018)