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Hoteliers – nein, Gastfreunde – anlangen, einen charakteristischen Vorbegriff. Ich habe viele Dutzende solcher Briefe gesehen mit Bitten um Vermittlung mit Kriegsgefangenen, um Nachforschung nach Vermißten und in Feindesland lebenden Verwandten, ja selbst solche, wo der Empfänger ersucht wurde, Angehörigen einer feindlichen Macht, mit denen man Ferienfreundschaften geschlossen, die Unwandelbarkeit persönlicher Sympathien zu übermitteln.

Die Schweiz hat aber nicht nur durch ihren Fremdenverkehr, der Freundschafts- und Vertrauensbande in der ganzen Welt geknüpft, sondern vor allem durch die Dreifaltigkeit ihrer Nationalität und Sprache einen Vorsprung vor den andern Neutralen in der Durchführung einer großen internationalen Kulturmission nach dem Kriege. Bleiben wir dieser hohen Mission würdig durch Einhaltung strengster moralischer Neutralität. Und stärken wir uns durch den stets engern Zusammenschluß unserer drei Kulturen, deren Vollbesitz für jeden Schweizer der neuen Generation das Ziel werden sollte. Leisten wir den Beweis, daß es auch heute noch und erst recht heute andere staatserhaltende Voraussetzungen gibt als das zufällige, fälschlich Nationalität genannte Merkmal der Sprache, daß die Rolle, die der bewußte Wille in der Weltgeschichte unserm Vaterland zugedacht, noch nicht zu Ende gespielt und daß wir lebensfroh im Hinblick auf künftige Kulturaufgaben in die Morgenröte der kommenden Friedensperiode blicken dürfen.

Das walte Gott!

Empfohlene Zitierweise:
Robert Durrer: Kriegsbetrachtungen. Rascher & Cie., Zürich 1915, Seite 38. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DurrerKriegsbetrachtungen.pdf/40&oldid=- (Version vom 31.7.2018)