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aus Gründen des Mangels an W. C. unmöglich in die warme Jahreszeit hinein dauern könne. Es müßten sich unausbleiblich die sanitären Folgen äußern, die auch dem Balkankrieg diktatorisch ein plötzliches Ende gesetzt. Der vierte der apokalyptischen Reiter auf dem falben Roß hat sich stets als der mächtigste Friedensfürst erwiesen.

Vorderhand haben wir freilich zunächst für uns zu sorgen. Wir leiden unbestreitbar schwer unter der wirtschaftlichen Depression, besonders gewisse Industrien, und die zu drohender Höhe steigenden Staatsschulden bedrücken den traditionellen haushälterischen Sinn unserer Senatoren. Sie sollten nicht ganz vergessen, daß solche staatsökonomische Verhältnisse relativ gewürdigt werden müssen und daß alle Staaten Europas unsere Schicksalsgenossen sind. Die Zeilen liegen noch nicht weit zurück, wo ein Staatswesen am Rande des Abgrundes zu stehen meinte, wenn es keinen gefüllten Staatsschatz hatte, und seit Jahren kutschieren wir fröhlich mit Schulden und leisten damit unendlich mehr als die Sparhafen-Politiker des ancien régime. Der Staatskredit richtet sich zum Teil nach dem internationalen Gleichgewicht, und in diesem Sinne hat sich unsere Lage nicht unverhältnismäßig verschlimmert. Uebrigens werden die Bundesbehörden die nötigen Wege zur Sanierung finden und das Schweizervolk wird zweifellos den Opfersinn zeigen, den ihm das Vertrauen in seine obersten Magistraten und der Dank für deren sichere Führung durch die Fährnisse der schweren Zeit gebieten muß. Aber eine Warnung kann ich nicht unterdrücken: daß die ängstliche Bundeshenne, im Bestreben, goldene Eier zu legen, nicht ihre natürlichen Bruteier zerdrücken möge. Wir haben, wie angedeutet, mancherlei Möglichkeiten, aus der gegenwärtigen Situation nachhaltige Vorteile zu ziehen.

Fast scheint es aber, daß der ehrwürdige Herr Bureaukratius die Chancen der Lage für sich allein ausnützen wolle; er ist in der halbjährlichen Kriegszeit

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Robert Durrer: Kriegsbetrachtungen. Rascher & Cie., Zürich 1915, Seite 36. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DurrerKriegsbetrachtungen.pdf/38&oldid=- (Version vom 31.7.2018)