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meerbeherrschenden Albion ab. Nebenbei bemerkt, möchte ich alle Redaktoren, die neben Feder und Schere den Humpen im Wappen führen, erinnern, daß wir, wie ein Brauer mir versichert hat, in zwei Monaten kein Bier mehr trinken können, wenn England die Hopfeneinfuhr sperrt, da Oesterreich, unser bisheriger Hopfenlieferant, seine Ernte für sich reserviert.

Aber noch ein Faktor ist in Betracht zu ziehen. Wenn England mit seinen Alliierten siegt – kein Mensch kann ja heute etwas voraussagen –, so würde der deutsche überseeische Handel einen schweren Stand bekommen; die Chancen der schweizerischen Großkaufleute und Angestellten würden wachsen. Im Falle der Niederlage der Alliierten oder einer partie remise werden diese Folgen wenigstens im Anfange für die englische Interessensphäre eintreten. Ursache genug, auch das zu betrachten, da wir ja damit kein Opfer des Intellekts und der Noblesse bringen, sondern nur unsere moralische Neutralitätspflicht konsequent durchführen. Es ist überflüssig, von den Interessen zu sprechen, die die Deutschschweizer zu Deutschland, die Westschweizer zu Frankreich führen. Sie sind weniger materieller als geistiger Natur und liegen auf der Hand. Aber sie heben sich gegenseitig auf. Die Resultate der Untersuchung unserer materiellen und kulturellen Interessenfragen decken sich überhaupt völlig mit unsern Sympathie- und unsern staatsrechtlichen Pflichten und verlangen die Unterordnung subjektiver und partikularistsichen Anschauungen unter den allgemein schweizerischen Standpunkt.

Unsere politischen Interessen am Ausgang des Weltkrieges sind rein negativer Natur. Daß jeder diktatorische Sieg eines unserer Nachbarn, der Europa zu seinen Füßen legen würde, unsere prekäre Unabhängigkeit bedroht, wenn auch nicht momentan, sondern in der sichern Folgewirkung, muß jeder erkennen, der über dem Niveau des Biertischpolitikers steht. Unser Wunschstandpunkt

Empfohlene Zitierweise:
Robert Durrer: Kriegsbetrachtungen. Rascher & Cie., Zürich 1915, Seite 29. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DurrerKriegsbetrachtungen.pdf/31&oldid=- (Version vom 31.7.2018)