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von 1799 die Kosaken keineswegs als solche Schreckgespenster erschienen, wie man sie heute schildert. Daß all die Aufzeichnungen jener Zeit mit einer gewissen Sympathie von diesen „Befreiern“ reden, die sich mit kleinen Gaben begnügt, während die Franzosen im großen stahlen. –

Und die Serben und Montenegriner? Es würde wohl heute vergeblich sein, auch für sie um Sympathie zu werben, obwohl die Geschichte Ursache und Wirkung, langjährige Knechtung, Provokation einer weltfremden Diplomatenkunst und die verbrecherischen Verzweiflungsmittel eines freiheitsdurstigen, noch in den Knabenschuhen steckenden Volkstums dereinst milder abwägen wird.

Wie man aber auch in der Schweiz für die Türkei, die eben jetzt ihre Neutralität aufgibt, begeistert sein kann, begreife ich anderseits nicht. Die Türken sind von allen Besiedlern Europas die einzige Rasse, die sich als ein völlig kulturfeindliches, bildungsunfähiges Element erwiesen hat. Seit fünfthalb Jahrhunderten im Zentrum orientalischer und spätrömischer Kultur thronend, blieben sie von allen Einflüssen der Umgebung unberührt; was sie aus den blühenden Ländern Westasiens und Nordafrikas gemacht, bleibt unsühnbar. Und daß dem Kaiser, dessen Christensinn und Gottvertrauen so tiefes Echo fand, die einzige Hilfe vom Sultan kommt, der die Fahne des Propheten zum Heiligen Krieg der Moslims gegen die Giaurs entfaltet, gehörte an die Spitze der oben erwähnten Beispiele zeitgenössischer tragischer Schiksalsironie!

Wir haben also gegen die meisten der kriegführenden Parteien begründete Ursache zu sentimentalen oder pflichtgemäßen Sympathien. Das Korrektiv für die widerstrebenden und überwiegenden Gefühle muß für uns die Pflicht sein und die Vernunft: die staatsrechtliche Neutralität und unser Interesse.

Empfohlene Zitierweise:
Robert Durrer: Kriegsbetrachtungen. Rascher & Cie., Zürich 1915, Seite 17. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DurrerKriegsbetrachtungen.pdf/19&oldid=- (Version vom 31.7.2018)