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naturgemäße Entwicklung ihrer Grenzen verhindert, aber auf den eidgenössischen Gedanken hat er nie einen Angriff gewagt, nie dem Gedanken an eine Auflösung der alten Bünde Raum gewährt, auch wenn man sich in Waffen gegenüberstand und sogar der Versuchung erlag, ausländische Intervention anzurufen. Aus diesen Erfahrungen darf man optimistisch sein, selbst wenn die Welschschweizer noch franzosenfreundlicher und manche Deutschschweizer deutschfreundlicher wären, als es der Fall ist.

Eine Tatsache haben freilich diese Tage unzweifelhaft festgestellt: daß auch bei uns die „nationalen“ sprachlichen Gegensätze künftig als eine Dominante neben unsere alten und großenteils zu Anachronismen gewordenen Parteigegensätze treten werden. Heute sind sie noch vielfach mit den altgewohnten Motiven vermischt. In Freiburg motiviert man die französischen Sympathien mit der Furcht vor dem protestantischen Preußentum, in der katholischen Innerschweiz umgekehrt die deutschen Sympathien mit dem Gegensatz der christlichen Monarchie gegenüber der atheistischen Republik. Aber wie wenig innerlich begründet diese Motivierungen sind, zeigt die Haltung jener deutschschweizerischen katholischen Presse, die sich jetzt erst nach Wochen bewußt wird, daß Belgien das Land war, das die Legende von der wirtschaftlichen Inferiorität des Katholizismus Lügen strafte. Und für den Untergang der katholischen Universität von Löwen fand sie nicht den Ausdruck des Bedauerns, weil ihre deutschen Quellen aus begreiflichen Gründen darüber geschwiegen hatten.

„Nationale“ Sympathien sind, wie bemerkt, eine berechtigte und an sich ungefährliche Erscheinung nach außen wie nach innen; solange wir nicht vergessen, daß dieser populäre Nationalitätsbegriff der Sprache nicht den vollen Nationalitätsbegriff ausmacht. Mit Rasse ist er nicht identisch, wie ja auch beispielsweise die

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Robert Durrer: Kriegsbetrachtungen. Rascher & Cie., Zürich 1915, Seite 13. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:DurrerKriegsbetrachtungen.pdf/15&oldid=- (Version vom 31.7.2018)