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Und das runde braune Klexchen,

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Das dir einst den Tod gebracht,

Küsst er glühend, blondes Hexchen,
In verschwieg’ner Liebesnacht.

Auf des Fusses weiches Fellchen
Presst er selig sein Gesicht,

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Solch ein süsses, braunes Stellchen

Haben andre Frauen nicht!
Dunkler Vorzeit blut’ge Sagen
Reizen seinen krausen Sinn –
Und er wird es mit dir wagen,

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Blonde, kleine Teufelin!
Rudolf Presber.





Liebchen.

Liebchen heut in Gesellschaft geht,
Zeigt sich in raschelnder Seide,
Fragt mich, wie ihr das Hütchen steht
Und die Schleppe am Kleide.

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Wie ich die schlanke Jugendgestalt

Must’re mit prüfenden Blicken,
Rieselt ein Schauer mir eisig kalt
Plötzlich hinunter den Rücken.

Alles, vom Stiefelchen bis zum Hut

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Sitzt dir wie angegossen,

Aber wie viel unschuldiges Blut
Ist um dich, Teure, geflossen!

Seidenwürmer wohl tausend und mehr
Mussten ihr Leben lassen

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Für den Stoff, den du hinter dir her

Schleppst durch die staubigen Gassen.

Für dein zierliches Stiefelpaar
Musste ein Kälbchen verenden,
Und Hermeline, ein Dutzend gar,

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Mussten die Fellchen dir spenden.


Deine Handschuhe, glatt und weich,
Gab dir ein blökendes Lämmlein,
Und die Schildkröt’ im kühlen Teich
Lieferte dir das Kämmlein.


Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Die zehnte Muse. Otto Elsner, Berlin 1904, Seite 27. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_zehnte_Muse_(Maximilian_Bern).djvu/33&oldid=3304009 (Version vom 31.7.2018)