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Ja, sie beflügeln unser armes Leben,
Ihr Hauch gibt Schwingen, gibt uns Takt und Schall!
Sie bringen uns ein Auf- und Niederschweben,
Ein feines Klingen und ein leises Beben …

65
Denn Frauen sind wie Melodie im All!


*   *


Die Schauer schwanden. Es begann zu tagen.
Das Spiel verhuschte, als der Morgen kam,
Und Aphrodite auf bereiftem Wagen,
Von Rosenduft und blauem Tau getragen,

70
Zum zweiten Male mich beim Arme nahm.


Die sanfte Welt – sprach sie madonnenmilde –
Hat dein Gelöbnis wie ein Fluch entweiht.
Doch sahst du jetzt im nächtlichen Gefilde
Ein drohend Schicksal wie im Spiegelbilde …

75
Bist du vom Geist der Schwere nun befreit?


Ich schwieg … und schwieg … und bin ins Knie gesunken,
Und weinend, weinend sah ich Venus an.
Das war ein Knistern wie von tausend Funken …
Der Himmel schien von gelbem Weine trunken –

80
Und düftestreuend flog sie leis hinan.
Anton Lindner.


Empfohlene Zitierweise:
Verschiedene: Die zehnte Muse. Otto Elsner, Berlin 1904, Seite 266. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_zehnte_Muse_(Maximilian_Bern).djvu/272&oldid=- (Version vom 31.7.2018)