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Alle guten Keime mußten hierdurch in dem heranwachsenden Kinde erstickt werden. Dann hatte er vor etwa einem halben Jahre, als seine Pflegemutter ihn abermals in brutalster Weise züchtigte, sich zur Wehr gesetzt und in einem Zustande von sinnlosem Zorn der Frau den Arm zerkratzt. Die Folge war, daß er einer Fürsorgeerziehungsanstalt übergeben wurde, wo er sich jedoch nur noch unglücklicher fühlte und schließlich entfloh. Zu Fuß wanderte er nach Hamburg und schlüpfte hier in einem unbewachten Augenblick in den Laderaum der segelfertig im Hafen liegenden Brigg „Marie“, wo er sich zwischen den Kisten und Ballen verbarg und sich von den Sachen nährte, die in einigen der Stückgüter des Schiffes enthalten waren. Nur des Nachts schlich er zuweilen an Deck und verschaffte sich aus der Kombüse (Küche) das nötige Trinkwasser. – – Bereits eine Woche nach seiner Entdeckung durch den Steuermann war er der allgemeine Liebling an Bord. Überall machte er sich nützlich, und zu jeder Arbeit war er zu gebrauchen. Ausgestattet mit einem trotz der entbehrungsreichen Jugend recht kräftigen und geschmeidigen Körper, besaß er außerdem eine selten schnelle Auffassungsgabe und viel praktischen Sinn. Bescheiden in seinem Auftreten und dankbar für jede geringe Freundlichkeit,

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W. Belka: Die Zauberinsel. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1916, Seite 5. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Zauberinsel.pdf/6&oldid=- (Version vom 31.7.2018)