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Unschuld regte mich zu Vergleichen mit dem Zustande meines eigenen Herzens an. Noch schwärzer erschien mir jetzt mein Verbrechen, noch verabscheuenswürdiger mein bisheriges Leben. Hatte ich doch den gütigen Freund meines Vaters und meinen eigenen Wohltäter, der mir soviel Vertrauen entgegengebracht hatte, bestohlen! – Immer schlimmer wurden die Gewissensbisse … Und doch – ich vermochte mich zu keinem Entschluß aufzuraffen, um meine Verfehlungen wieder gutzumachen. Den Gedanken, einst mit dem gestohlenen Gelde mir ein behagliches Leben in einem anderen Erdteil zu verschaffen, hatte ich längst aufgegeben. Hier in der Einsamkeit war ich von meiner krankhaften Genußsucht gründlich geheilt worden. Ich war zu der Überzeugung gekommen, daß ernste Arbeit und ehrliches Streben uns einzig und allein volle Befriedigung und Zufriedenheit zu gewähren vermögen. Aber, wie gesagt, – Feigheit war’s, die mich davon zurückhielt, auch die Folgen meines Vergehens auf mich zu nehmen. Auch diese letzte Schwäche habe ich jetzt abgeschüttelt. Vorhin als Du mir berichtetest, weshalb Du mir nachgeschlichen seist, tat ich einen tiefen Blick in Dein Herz, mein Junge! Und da kam die Sehnsucht mit aller Macht über mich, auch wieder hocherhobenen Hauptes und freien

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W. Belka: Die Zauberinsel. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1916, Seite 52. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Zauberinsel.pdf/53&oldid=- (Version vom 31.7.2018)