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ab, um in den Stunden der Freiheit seiner Lust den Zügel lassen zu können, da fliegen die heißen Worte, und manche wilde That, welche die Geschichte aufbewahrt, wurde in solchen Nächten geboren. Auch diesesmal fehlte es nicht an Brandfachern und Aufwieglern, man sprach von orangistischen Comploten, und von andern Liebenswürdigkeiten dieses Schlages – aber die Vorsehnung wachte in der Gestalt von eingen Tausenden bewaffneter Soldaten, welche in den Casernen consignirt waren.

Die spät zur Ruhe Gekommenen wurden am Freitage um 8 Uhr durch die donnernden Schüsse der Festkanonen aus dem besten Schlafe geschreckt, und im Nu war die Menge wieder auf den Beinen. Es ist schon an und für sich ein interessantes Schauspiel, die Straßen von Fremden im besten Putze wimmeln, die Fenster von Schönen auf das Glänzendste ausstaffirt zu sehen, und so wäre schon Jeder des Andern wegen hergekommen, nun aber brachte erst der festliche Aufzug der zum Wettstreit herbeigezogenen Harmonien neues Leben in die Scene. Eine Abtheilung der berittenen Leibwache (Guiden) des Königs, und die weitberühmte Musik der Brüsseler Harmoniegesellschaft, die dießmal, wahrscheinlich aus Artigkeit, nicht mit concurriren wollte, eröffneten den Zug. Ihnen folgten die fremden Musikvereine, jeder Verein stattlich geputzt, zum Theil in Uniform; einer, der aus Blankenberghe bei Brügge, in alterthümlicher, flamändischer Nationaltracht, mit kurzen, rothen Hosen und dreieckigen Hüten. Jede Gesellschaft trug auf einem rothen Schilde den Namen ihrer Stadt oder Commune, so wie auch ihre Fahne mit den in frühern Jahren errungenen Medaillen, vor sich her. So gelangten sie auf den breiten Theaterplatz, wo das erste Gericht über sie gehalten wurde, indem denjenigen, die das beste, oder originellste Costüm hatten, Medaillen zugetheilt wurden, wobei denn unsere Blankenbergher nicht leer ausgingen; darauf zog man feierlich in den Park. Der Park ist eine, in der Mitte der Stadt sich befindende, allerliebste Baumanlage, wo die schöne und nicht schöne Welt alltäglich sich versammelt, und der historisch dadurch merkwürdig wurde, daß hier die bedeutendsten und blutigsten Revolutionsscenen zwischen den Holländern und dem gereizten Volke vorgefallen waren. Man hatte das mittlere, dem königlichen Palaste gegenüberliegende, Thor zum Einzuge erkoren; hier standen die Statuen des Lüttichers Gretry, und des berühmten Componisten Delassus von Mons, zwar etwas roh, aber in schönen Verhältnissen und edlem Ausdrucke, in gelbem Gyps ausgeführt. Ganz am andern Ende, aber vom Eingangsthore aus sichtbar, stand der in leichter Bauart und elegantem Geschmacke, von Eisen gegossene, reich vergoldete und bemalte Kiosk, in welchem eine Gesellschaft nach der andern sich vor ihren Richtern hören lassen sollte. Die Allee, die dahin führt, war mit

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verschiedene: Die Grenzboten, 1. Jahrgang. Herbig, Leipzig 1841, Seite 40. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Grenzboten_1-1841.pdf/49&oldid=- (Version vom 31.7.2018)