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Liste.png Verschiedene: Die Grenzboten (1841/1842), 1. Jahrgang, Band 1

Paris gerichtet. Wenn Ihr aus dem Mittelmeer blos Begeisterung schöpfen wollt, um damit die Steinplatten an der Porte St. Martin zu begießen, wenn Ihr auf der Spitze des Oelbergs und am Rande des Kraters des Vesuvs nur an Euch zu denken wagt, dann wäre es vernünftiger Ihr bliebt zu Hause.

Ich, der ich vorgerückt bin an Jahren und doch noch die Menschheit liebe und achte, bin erstaunt über diese jungen Poeten, Romanzensänger und Philosophen, die in ihrem dreißigsten Jahre schon den Winter im Herzen haben und sich einwickeln in ihren Menschenhaß wie in einen Pelz. Nein, diese drei Arrondissements von Paris, die Ihr für die Welt haltet, sind nicht Paris, Paris ist nicht Frankreich und Frankreich nicht die Welt. Ich, nicht gefesselt an die Scholle dieses oder jenes Quartiers, der ich der Vasall keiner von Euren Revüen und keines Feuilletons bin, ich weiß, daß es unter den Menschen noch Tugend und Sitte, Uneigennützigkeit, Aufrichtigkeit, Rechtlichkeit, Treu und Glauben, Ueberzeugungsfestigkeit, Freundschaft und Glückseligkeit giebt. Auch ich zweifle oft, aber ich betrachte den Zweifel nicht wie einen widrigen Bodensatz den die Ueberzeugung in den Herzen zurückläßt; ich betrachte ihn als eine Wolke, die zuweilen den Glanz des Tages verdunkelt, dann aber als Regen niederfällt um den Boden der Wahrheit zu befeuchten und zu befruchten. Ihr verzweifelt in unsern ruhigen Zeiten, wie werdet Ihr Euch verhalten, wenn der Sturm einmal losbricht? Wenn Ihr das Glück nicht ertragen könnt, wie wollt Ihr das Unglück bestehen? Das gesellschaftliche Leben vergiftet Euer häusliches Glück; was aber ist gesellschaftliches Leben? Was ist der Staat? Die Familienväter bilden die Gemeinde, die Häuser die Straßen, und Ihr sagt es ja selbst:


Il est plus difficile et c’est d’un plus grand poids
De relever les mœurs que d’abattre les rois.

Wenn Ihr mit dem Erbtheil nicht zufrieden seid, das Eure Väter Euch hinterlassen haben, so seid Ihr sehr undankbar. Dieses Erbgut, das Euch im Schlaf überkommen ist, ist reich genug. Reicht es Euch nicht hin, so arbeitet, wie Eure Väter gethan haben, und weigert Euch der Himmel den Lohn, dann und blos dann habt Ihr das Recht mit ihm zu grollen.

Wenn Ihr, mit Euren Gedanken allein, Euch fragt, warum ist uns nichts geglückt? Warum waren so große Anstrengungen ohne Erfolg? Warum so viele getäuschte Hoffnungen? dann wird die Stimme des Gewissens, die das Gewühl der Welt lange übertäuben und zum Stillschweigen nöthigen kann, die aber, wenn sie ertönt, immer Wahrheit verkündet, Euch antworten. Ihr beklagt Euch mit Unrecht. Nein, alle Versprechungen sind erfüllt, keine Eurer Hoffnungen ist betrogen worden. Ihr habt das Ziel erreicht, das Ihr Euch bei der Abreise vorgesteckt hattet. Aber Ihr habt

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Verschiedene: Die Grenzboten (1841/1842), 1. Jahrgang, Band 1. Herbig, Leipzig 1841, Seite 109. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Grenzboten_1-1841.pdf/118&oldid=- (Version vom 31.7.2018)