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verschiedene: Die Gartenlaube (1885)

Reisenden und Geographen zu verschiedenen Zeiten dargestellt worden ist. Das mit stärkeren Linien gezeichnete Dreieck zeigt die Lage der Orte nach Bestimmungen Humboldt’s, welche noch jetzt als richtig gelten, und wir sehen mit staunender Bewunderung, wie unstät die früheren Positionen und wie groß die Abweichungen und Fehler vor Humboldt waren.

Nach dem, was hier nur an drei Orten zu veranschaulichen versucht worden ist, deren Gesammtzahl aber 200 übersteigt, dürfte kein Zweifel obwalten an Humboldt’s Verdiensten um die astronomischen Ortsbestimmungen in Amerika. Aber der Ruhm seines weltumfassenden Geistes und die Anerkennung seines Fleißes müssen uns noch größer erscheinen, wenn wir dabei an den Ausspruch denken, den Peschel in seiner schönen, warmherzigen Abhandlung „Alexander von Humboldt’s Stellung in der Wissenschaft“ gethan: „Humboldt war kein Astronom, er hat nie ein astronomisches Werk verfaßt, nie anders, denn als Liebhaber auf Sternwarten gearbeitet.“ Den jüngeren Forschungsreisenden der Gegenwart möge aber Alexander von Humboldt auch in dieser Hinsicht als ein Vorbild gelten, auf dessen Bahnen sie zum Nutzen der geographischen Wissenschaft wandeln sollten.


Blätter und Blüthen.

Vermißte. Neue Folge: 1) Unter seltsamem Mißgeschick leiden zwei Geschwister: Maria und Sebastian Bucheli aus Luzern, Gemeinde Malters. Seit länger als zwanzig Jahren von einander getrennt, peinigt Jedes die Sehnsucht nach dem Andern. Im Jahre 1882 trieb es den Bruder in die Heimath, zu seiner einzigen Schwester, aber ohne sie zu finden, denn sie weilte auswärts, Niemand wußte von ihr. Sebastian verließ hierauf Luzern, aber freilich ohne Jemand zu sagen, wo er fortan zu finden sei. Diesen Schweizer Sebastian Bucheli fordern wir auf, seiner Schwester nach Luzern zu schreiben, postlagernd.

2) Fast hoffnungslos ist der Aufruf nach einem verschwundenen Jüngling; dem achzehnjährigen Alfred de Percy in Dresden. Ueber dem Verschwinden dieses jungen Mannes waltet eine niederbeugende Unerklärlichkeit. Ein liebender Sohn und Bruder, Stolz und Stütze seiner erfahrungsreichen Mutter und sorglicher Mitpfleger des kränkelnden jüngeren Bruders, läßt Alfred de Percy nicht den geringsten Verdacht irgend einer That gegen sich selbst aufkommen. Nach einer in Folge starken Nasenblutens und Uebelseins unruhig verbrachten Nacht machte er am 5. November 1884 früh ½8 Uhr einen Gang ins Freie, um sich, noch vor dem Frühstück, in frischer Luft zu erholen, – und von diesem Ausgang ist er nicht wiedergekehrt.

3) Seit dem 7. Juni 1884 wird der Handelsmann Max Ferdinand Fiedler aus Sorau vermißt. Derselbe hat sich an dem genannten Tage von Sorau nach Sagan, von dort nach Berlin und demnächst nach Stettin begeben. Briefe, die er von Sagan und Stettin an seine in Sorau lebenden Schwestern gerichtet hat, lassen vermuthen, daß er sich, schwermüthig wie er in letzter Zeit war, ein Leid zugefügt hat. Aufrufe in den Tagesblättern und Nachforschungen der Angehörigen und Behörden haben zu keinem Resultate geführt. Signalement des Vermißten: Alter 24 Jahre, Statur: kräftig, Haare: schwarz, Bart: Schnurrbart, Gesichtsbildung: rund, Gesichtsfarbe: frisch, Bekleidung: olivengrüner Anzug (Jaquet), rothbunte Wäsche, gez. M. F. 1., schwarz-weißer Strohhut.

4) Am 29. April 1884 ist der vierzehnjährige Paul Heyner aus Stettin, geboren 1870, seinen Pflege-Eltern entlaufen. Er ist von schlanker Statur, blasser Gesichtsfarbe, dunkelblond und hat blaue Augen. Man vermuthet, daß er mit einem ausländischen Schiffe in See gegangen oder im Lande sich herumtreibt.

5) Eine alte Rektorswittwe in Altona sucht ihre beiden zur See gegangenen Söhne. Der älteste, Georg Christian Junge, geboren 1835 in Marne, schrieb zuletzt am 14. December 1857 von Bord des amerikanischen Kriegsschiffes „Portsmouth“ von Hongkong aus, ein an ihn adressirter Brief kam zurück mit der Bemerkung, das Schiff sei schon fort. Der zweite Sohn, Gustav Emanuel Junge, geboren 1838 in Marne, schrieb zuletzt am 8. November 1857 aus Honolulu, wohin er auf dem Schiffe „Hero“ von Hamburg aus gelangt war. Seitdem fehlt der armen Wittwe jede Nachricht über ihre Söhne.

6) Max Freudenthal, Sohn des Rentiers C. Freudenthal aus Posen, jetzt in Teplitz, ging 1868, im Alter von 17 Jahren, nach Australien und hat bis 1875 oft an seinen Vater von Melbourne aus geschrieben. Zuletzt war er im Pfandleihgeschäft des Georg Alexander Nr. 102 Bridge Road Richmond in Mlbourne als Kommis. Seit 10 Jahren fehlt jede Nachricht von ihm.

7) Franz Landrath, der Sohn des Arbeiters Gottfried Landrath in Alt-Falkenberg, Kreis Pyritz, Königreich Preußen, hat seinen Eltern zum letzten Male im December 1882 aus Monterey in Mexico geschrieben. Er wollte von da sich an einen anderen Ort desselben Landes wenden.

8) Aus Herrstein, im oldenburgischen Fürstenthum Birkenfeld, begab sich im Jahre 1881 der Maler und Tüncher Wilhelm Cullmann, am 18. Juni 1858 geboren, auf die Wanderschaft. Er schrieb im Juni 1883 aus Waldshut in Baden, von wo er nach der Schweiz ging. Im Mai 1884 erhielt der Bürgermeister seines Geburtsortes eine Postkarte von ihm aus Biel (Bienne) und obwohl sein alter 78jähriger sehnsuchtskranker Vater sofort dorthin telegraphirte, blieb er damals und bis heute ohne Nachricht von dem Vermißten, von dem er vermuthet, daß er sich nach Frankreich begeben habe.

9) Mutter und Tochter durch ein Mißgeschick getrennt. Die Tochter reiste nach Nordamerika, um dort Stellung zu suchen, und die Mutter nach Verona, nachdem sie der Tochter ihre dortige Adresse mitgetheilt hatte. Als aber die Tochter endlich Stellung gefunden, suchte sie vergeblich nach der Adresse der Mutter, sie war verloren gegangen. Ebenso vergeblich suchten wir nach der Mutter in Verona. Sie hatte zuvor mehrere Monate dort gelebt, war aber dann nach Deutschland zurückgekehrt und hatte sich ihr Gepäck „postlagernd Stuttgart“ nachsenden lassen. Wir ersuchen nun die verwittwete Frau Sophie Kalb, geb. Dhoma, um ihre Adresse, damit wir ihr die ihrer Tochter zusenden können.

10) Seit 1872 gilt für verschollen Franz Mroß, geboren 1844, Zeugschmiedemeister. Er arbeitete erst in Berlin, dann in Wien, von wo aus er am 4. November 1871 seine Mutter zu besuchen versprach, aber am 26. December 1871 schrieb er aus Odessa, daß er daselbst von seinem in Wien ersparten Vermögen eine eigene Werkstätte etablirt, jedoch durch eine Feuersbrunst alles verloren habe. Ende Januar 1872 sandte ihm seine Mutter auf dringende Bitten sein Erbtheil (120 Thaler). Das letzte Lebenszeichen war seine Dankdepesche: „Das Geld erhalten. Gott segne Dich! Sohn Franz.“ Seit jener Zeit ist Mroß verschollen. Man vermuthet, daß er nach Amerika ausgewandert sei.


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verschiedene: Die Gartenlaube (1885). Ernst Keil's Nachfolger, Leipzig 1885, Seite 515. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Gartenlaube_(1885)_515.jpg&oldid=- (Version vom 25.1.2024)